Imkerei im Alten Orient und bei den Jarediten

von Ronan James Head

Vollständige englische Version mit Fußnoten:

Die Figur der Honigbiene hat eine kleine aber interessante Rolle in der amerikanischen Geschichte gespielt. Zum Beispiel, Tammy Horn beschreibt in ihrem Buch Bees in America: How the Honey Bee Shaped the Nation, wie sich die englische Kolonisierung der Neuen Welt Bienenanalogien bediente. Neue Kolonien wurden ausgegliedert oder „hived off”, um in Amerika zu gedeihen, dem neuen „Land, wo Milch und Honig fließen.” Der Fleiß der Biene — und ihr begehrter Honig und Wachs — wurden zu einem beliebten Symbol einer rechtschaffenen Wirtschaft. Der Stülper, ein traditioneller Bienenkorb aus Stroh, war ein aus der Freimaurer Heraldik wohlbekanntes Zeichen und wurde auch von den Heiligen der Letzten Tage als Symbol für das Land Deseret verwendet.

Der Bienenstock auf dem Wappen des Bundesstaates Utah (und anderswo) ist eine direkte Anspielung auf eine Biene, die im Buch Mormon beschrieben wird, und obwohl die Verwendung der Biene als Symbol des Fleißes auch außerhalb des Mormonentums bekannt ist, ist Deseret, der Name der Mormonenbiene, einzigartig. Das Buch Mormon erzählt von drei Migrationen aus der Alten in die Neue Welt. Die erste — die der Jarediten — handelte von der Migration einer kleinen Gruppe von Menschen, geführt von Jareds Bruder, von dem, was das Buch Mormon als „großen Turm” bezeichnet. Als Jareds Bruder und seine Begleiter den Turm verlassen, gelten sie als gut vorbereitet für eine lange Wanderung. Ether 2:1-3 beschreibt ihren Proviant, den sie für ihre erste Reise sammelten: Herden, Geflügel, Fisch, Bienen und Samen. Nur die Bienen sind mit ihrem ursprünglichen

jareditischen Namen

Deseret, beschrieben:
2 Und sie legten auch Fangschnüre und fingen Vögel der Luft; und sie richteten auch ein Gefäß zu, worin sie die Fische der Gewässer mitnahmen.
3 Und sie nahmen auch Deseret mit, das ist, übersetzt, eine Honigbiene; und so nahmen sie Bienenschwärme mit sowie allerlei von dem, was es auf dem Antlitz des Landes gab, Samen jeder Art.
Nachdem die Jarediten der Alten Welt als gekonnte Wanderbienenzüchter dargestellt werden und angesichts des Bekenntnisses der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zur Geschichtlichkeit des jareditischen Berichtes ist zu hoffen, dass der folgende Abriss der Bienenzucht des Nahen Ostens für Studenten des Buch Mormons von Interesse sein wird.

Bienenzucht des Nahen Ostens

Bevor Menschen mit der gezielten Haltung von Bienen begonnen hatten, war die „Honigjagd” die bevorzugte Methode, um wilden Honig einzusammeln und sie wird immer noch in einigen Teilen der Welt praktiziert. Furchtlose Jäger haben mit Rauch die Bienen aus dem Stock vertrieben, um an die Waben zu gelangen. Hinweise auf die Honigjagd reichen bis zum Jungpaläolithikum zurück (ca. 15.000 vor Christus).
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Westlichen Honigbiene (apis mellifera), auch Europäische Honigbiene genannt, umfasste Teile des Nahen Ostens, vom Zentral-Iran über das Zagros- und Taurus-Gebirge bis nach Anatolien und die Levante und nach Ägypten (aber nicht den Irak oder die arabischen Wüste). Wie wir sehen werden, hat die vorderasiatische Archäologie bereits überzeugende Hinweise auf Bienenhaltung mit Bienenstöcken zutage gefördert. Die frühesten Hinweise auf Bienenhaltung mit Bienenstock (Bienenzucht) stammen aus dem Alten Reich Ägyptens (dem dritten Jahrtausend v. Chr.). Ein Flachrelief aus dem Sonnentempel von Niuserre Any in Abu Gurob schildert das Sammeln, Aussieben und Verpacken von Honig, und weist darauf hin, dass die Bienenzucht in Ägypten seit einer sehr frühen Periode bekannt war. Bäuerliche Imker im heutigen Ägypten verwenden zum überwiegenden Teil die gleiche Technik wie auf uralten Grabmalereien in Theben zu sehen ist. Typische rohrförmige Bienenstöcke aus Lehm oder Ton sind über einen Meter lang und zusammen gestapelt wie Baumstämme. Die Enden sind mit Ausnahme von kleinen Löchern abgedichtet, die den Bienen Ein- und Auslass gewähren.
Alt-Ägypten war reich an bildlichen Darstellungen von Bienen: Man glaubte zum Beispiel, dass die Tränen des Re Bienen werden konnten, die Pyramidentexte behaupteten, dass Nut wie eine Biene zu erscheinen vermochte, und der Tempel der Göttin Neith in Sais hieß „Haus der Biene.” Aber das Symbol der Biene war vielleicht am besten für seine Verwendung in königlichen Titulatur seit Gründung des ägyptischen Staates bekannt. Bis zur ersten Dynastie (3100-2900 v. Chr.) war der König als nsw bty bekannt: „Der von der Binse, der von der Biene”, wobei die Biene als das heraldische Symbol des Roten Landes (Unterägypten) diente. Aus „abergläubischen Gründen” wurde dieser Titel aber zweimal anders geschrieben und der Name bty durch die rote dšrt Krone von Unterägypten ersetzt.
Es gibt keine textlichen Verweise auf die Bienenzucht im antiken Syrien-Palästina vor dem Ende der hellenistischen Zeit. Das hebräische Wort für Honig, debaš, kann sich wie dišpu auf Akkadisch sowohl auf Bienenhonig als auch unterschiedliche Stoffe mit süßem Geschmack beziehen. So könnte man Kanaan als das „Land, wo Milch und Fruchtsirup fließen” bezeichnen. Explizite Verweise auf Bienenhonig in der Bibel beziehen sich auf wilden Honig (z. B. Deuteronomium 32:13). Hierbei ist jedoch der Hinweis wichtig, dass unser Verständnis der Bienenzucht in der antiken Levante im Umbruch ist: Bis vor kurzem glaubte man, dass keine schlüssigen archäologischen Beweise für Bienenzucht in der Levante gefunden worden sind, aber das hat sich angesichts der Ausgrabungen in Tel Rehov in Israel geändert, wo vor kurzem ein Bienenhaus aus dem zehnten oder neunten Jahrhundert vor Christus entdeckt wurde.
Was die alte Türkei betrifft, war „das Land der Hethiter […] ein Land der Bienenzucht… seit Beginn der Geschichtsschreibung.” Die Biene spielt eine Rolle in den ältesten Mythen der Hethiter, die von dem verschwindenden Gott Telepinu handeln. Gesetze des hethitischen Alten Reiches (ca. 1650-1430 v. Chr.) weisen auf Bienenzucht hin. Ein Beispiel sagt:
Sollte jemand zwei oder drei Bienenstöcke stehlen, wäre früher der Täter einem Bienenstich ausgesetzt gewesen. Fortan soll er aber sechs Silberlinge zahlen.
Mir sind keine Hinweise auf die Bienenzucht im alten Iran vor der Sassaniden-Periode (224-651 n. Chr.) bewusst, dafür ist die bäuerliche Bienenzucht im heutigen Iran weit verbreitet. Eva Crane stellt fest, dass der Iran eine größere Vielfalt an traditionellen Bienenstöcken hat als jede andere Region.
Es gibt kaum Indizien für die Bienenzucht in Mesopotamien (altes Irak). Angesichts einer Kultur, die buchstäblich Hunderttausende von erhaltenen Keilschrifttafeln hervorbrachte, die alle denkbaren Aspekte des Lebens einschließlich der Landwirtschaft detailliert beschreiben, ist das Schweigen über die Bienenzucht auffallend. Ein bemerkenswertes Problem betrifft das mesopotamische Wort für „Honig”. Das akkadische Wort dišpu (auf sumerisch làl) bezieht sich entweder auf Dattelsirup (auf arabisch dibs) oder Honig, daher ist es schwierig zu wissen, was in einer bestimmten Textstelle gemeint ist. Die Biene kommt in mesopotamischen Texten kaum und überhaupt nicht in der regionalen Kunst vor.
Die meisten der akkadischen Wörter für „Biene” erscheinen nur in lexikalischen Texten (das heißt in Texten, die nicht für den alltäglichen Gebrauch sind), und es gibt im Zusammenhang mit der Bienenzucht keinen technischen Wortschatz. Die Bienenzucht wurde erstmals in einem Keilschrifttext auf der Stelle des Šamaš-reš-uzur erwähnt, ein regionaler Gouverneur am syrischen Euphrat in der Mitte des achten Jahrhunderts v. Chr., der behauptete, als erster Bienen aus den Bergen (vermutlich ist das Taurus-Gebirge gemeint, traditionsreiches Gebiet der Bienenzucht) gebracht zu haben:
Ich, Šamaš-reš-uzur, der Gouverneur des Landes Suhu und Mari, ich brachte Bienen (habūbītu) — die Honig einsammeln und die aus der Zeit meiner Väter und Vorväter weder jemand gesehen noch in das Land Suhu mitgebracht hatte — aus den Bergen des Habha-Volkes und siedelte sie in den Gärten der Stadt Algabbaribani. Sie sammeln Honig und Wachs ein. Ich bin im „Kochen” des Honigs und Wachs geübt, sowie es auch die Gärtner sind.
Solche Stelen sind für Bombast bekannt, aber angesichts der fehlenden Hinweise auf die Bienenzucht in Keilschrifttexten, sollten wir vielleicht Šamaš-reš-uzur beim Wort nehmen. Die Vermutung, dass Bienenprodukte in Babylonien teure Importe waren, liegt aufgrund des Honigpreises nahe. In der Ur-III-Periode (das zweiundzwanzigste Jahrhundert v. Chr.), konnte man mit einem Schekel Silber nur zwei Pfund làl („Honig”) kaufen. Im Vergleich dazu konnte man mit der gleichen Menge an Silber dreihundert Liter Datteln kaufen. In Mesopotamien ist die Knappheit an Bienen einfach zu erklären: Der Großteil der irakischen Ebene ist einfach zu heiß und die Blütezeit zu kurz, um (ohne moderne Technik) nachhaltig Bienenzucht zu betreiben. Nur im gebirgigen Norden sind einheimische Honigbienen zu finden.
Einige alte Kulturen maßen Bienen und Bienenprodukten einen sehr hohen Stellenwert bei. Wir haben bereits die hohen Honigpreise in Mesopotamien gesehen. Quer durch den Nahen Osten schlägt sich sein Wert in seiner Verwendung als Süßstoff, beim Bierbrauen, und als Zutat in magisch-medizinischen Rezepten nieder. Wachs wurde für Schreibtafeln und in der Bildhauerkunst verwendet. In Ägypten wurde Honig auch für Opfergaben und Tempelrituale und als Verpflegung für wichtige Beamte eingesetzt. Während des Mittleren Reiches (2040-1640 v. Chr.) wurde ein wichtiger Staatsbeamter zum „Aufseher der Bienenzüchter” ernannt.

Wanderbienenzucht

Wir können sowohl aus der Antike als auch aus den zeitgenössischen Traditionen der Bienenhaltung Hinweise auf nomadische Bienenzucht finden, oder wie es auf Deutsch heißt, die Wanderbienenzucht. Antike Bienenstöcke (sowie bäuerliche Bienenstöcke des heutigen Nahen Ostens) wurden am häufigsten wie Röhren oder Baumstämme geformt (wo Bienen in der Natur schwärmen) und aus Keramik, Ruten, Schlamm, Ton und Holz gefertigt. Alle diese Bienenstöcke wären auf Tragtiere und Boote tragbar gewesen. Plinius der Ältere (23-79 n. Chr.) beschreibt den Transport der Stöcke entlang des Flusses Po:

Wenn die Nahrung für die Bienen in der unmittelbaren Umgebung fehlt, stellen die Bewohner ihre Bienenstöcke in Boote und bewegen sie in der Nacht 5 Meilen stromaufwärts. Die Bienen kommen in der Morgendämmerung heraus, sammeln Nahrung und kehren jeden Tag zu den Booten zurück. Die Position der Boote wird verändert, bis sie unter dem Gewicht tief in das Wasser sinken und es klar wird, dass die Bienenstöcke voll sind. Dann werden die Boote zurückgebracht und der Honig gewonnen.
Im Jahre 1740 beschrieb ein französischer Reisender die Wanderbienenzucht in Ägypten: Ende Oktober (das Ende der Blütezeit in Oberägypten) wurden die Bienenstöcke auf Boote gebracht und trieben flussabwärts auf dem Nil. An Stellen, wo Pflanzen noch blühten, wurden die Boote gestoppt und die Bienen konnten sich ernähren.
Rund 250 v. Chr. vermerkte eine ägyptische Papyrusaufzeichnung das Bittgesuch der Bienenhalter aus der Fajum Oase, ihre Bienenstöcke mögen aufgrund von Bewässerungsfluten mit einem Esel abtransportiert werden. Imker im modernen Israel tragen ihre Bienenstöcke von der Region Galiläa zur Golan-Region und zurück, je nach Jahreszeit. Eine interessante Wiederholung des jareditischen Bienenexodus ist in der Pioniergeschichte der Mormonen zu finden. Zwei zeitgenössische hauptberufliche Imker in Idaho erzählen die Geschichte eines Urgroßvaters, „der Bienen nach Utah brachte, festgeschnallt auf der Rückseite eines Planwagens, mit Brigham Young.”
Der Nutzen von Bienen auf einer nomadischen Reise wäre wegen des Kalorienwerts einer regelmäßigen Honigzufuhr hoch. Honig ist auch ein wertvolles Handelsgut. Libysche Nomaden, zum Beispiel, haben Honig und Wachs für Zucker, Tee, Reis und Tuch gehandelt. Wanderbienenzucht war das Mittel, durch das die Bienenarten in neue Regionen eingeführt wurden. Es wird beispielsweise angenommen, dass die Bienenzucht im Iran von Pakistan über Belutschistan eingeführt wurde.
Die Spezies Apis mellifera war in der Neuen Welt nicht zu finden, bis sie etwa ab dem siebzehnten Jahrhundert n. Chr. importiert wurde. Die heimische amerikanische Biene ist die Melipona (eine stachellose Biene). Sie produziert nur rund ein Kilogramm Honig pro Jahr (im Vergleich zu Apis mellifera, die 50 Kilogramm produzieren kann).
Dennoch waren präkolumbianische Amerikaner durchaus mit der Bienenzucht vertraut und schöpften die Melipona voll aus. Im Jahre 1519 schrieb Cortés an den König von Spanien über das Ausmaß der Bienenzucht unter den Indianern von Cozumel (Mexiko):
Der einzige Handel, den die Indianer betreiben ist mit Bienenstöcken, und unsere Prokuratoren werden Eurer Hoheit Proben des Honigs und Exemplare der Bienenstöcke überbringen, damit Ihr sie einer Untersuchung empfehlen möget.
Der früheste archäologische Beleg für die amerikanische Bienenzucht stammt aus der späten vorklassischen Maya-Periode (ca. 300 v. Chr. bis 300 n. Chr.). Die moderne bäuerliche Bienenhaltung auf der Yucatán erinnert an die ägyptische Bienenzucht: Bienenstöcke (oft ausgehöhlte Baumstämme) sind vertikal auf einem Gestellrahmen gestapelt. Das Wachsausschmelzverfahren war in der Neuen Welt bekannt, und das alte Maya-Pantheon beinhaltete einen Bienegott namens Ah Mucan Cab.

Eine letzte Bemerkung

Jede Untersuchung des möglichen Hintergrunds der materiellen Kultur historischer Völker im Buch Mormon muss die interessanten Daten aus Ether Kapital 1 bis 3 sorgfältig berücksichtigen, darunter die Andeutung, dass die Jarediten Wanderbienenzüchter waren. Diese kurze Untersuchung hat die weit verbreiteten Hinweise auf die Bienenzucht, einschließlich der Wanderbienenzucht, im Alten Orient behandelt. Eine weitere Erörterung dieser Hinweise und die Bedeutung derselben wird Gegenstand künftiger Forschung sein.

[1] With thanks to Peter and Beate Clayson for the translation.

 

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Last Updated November 07, 2009
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