Ein Schwarzer in Zion

von Marcus H. Martins

Aus dem Englischen
A Black Man in Zion: Reflections on Race in the Restored Gospel

Gedanken über die Bedeutung der Rasse im wiederhergestellten Evangelium[1]

Es freut mich, hier zu sein und wie ich zu sagen pflege – die Einleitung war so gut, dass ich einen Augenblick glaubte, dass jemand anders sprechen würde. Ich weiß nicht, warum ich nicht schon früher an diesen Konferenzen teilgenommen habe. Vielleicht sind es die Flugkosten oder die Zeitverschiebung, aber ich bin froh und fühle mich geehrt, heute bei Ihnen zu sein.

Ich möchte Ihnen eine Ausarbeitung darbieten, die in gewisser Weise die Synthese meiner Erfahrungen und meiner Rückschlüsse in Bezug auf die Bedeutung der Rasse im wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi ist. Gleichzeitig ist es eine Zusammenfassung der E-Mails, die ich von Menschen erhalte, die glauben, dass ich etwas darüber wisse – was nicht stimmt. Das Thema gehört nicht zu meinen Forschungsthemen – ich habe es nur in den letzten 34 Jahren in der Kirche durchlebt und so erhalte ich viele Fragen, E-Mails und Briefe und mittlerweile habe ich viele Flugmeilen bei meinen Reisen durch das Land gesammelt, wenn ich über den Ausschluss vom Priestertum in Bezug auf Rassen spreche. Nochmals, dies ist nicht ein Hauptthema meiner Forschungen aber ich freue mich immer, wenn ich mit Heiligen zusammensein kann, egal wo.

Zu Anfang denke ich, dass es für niemanden neu ist, dass kaum andere menschliche Merkmale durch die Geschichte hindurch so regelmäßig als Rechtfertigung für Hass, Brutalität, Unmenschlichkeit und Schmerz herhalten mussten wie die Rasse.

Seit ihrer Gründung im Jahre 1830 ist die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage auch von dem Thema „Rasse” beeinflusst worden. Die Kirche wird hauptsächlich von einer Laien-Geistlichkeit geleitet – in vielen Gebieten der Erde handelt es sich um erst kürzlich Bekehrte – und deshalb ist die Kirche Jesu Christi nicht völlig immun gegen die Vorurteile, die in den Gesellschaften vorhanden sind, wo die Mitglieder der Kirche leben.

Ich bin Schwarzer afrikanisch-europäischer Abstammung und seit 1972 Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Ich bin das erste Mitglied meiner Rasse, das nach der Offenbarung, die das Priestertum allen würdigen männlichen Mitgliedern schwarz-afrikanischer Abstammung öffnete, eine Mission erfüllte.[2]

Ich war auch unter den ersten, die 1981 als Hohepriester ordiniert wurden und möglicherweise – zumindest außerhalb Afrikas – war ich unter den Ersten, als ich 1987 zum Bischof ordiniert wurde. Seit 1994 war ich der erste meiner Rasse, (oder meiner Mischrasse, wie auch immer) der als Religionsprofessor an den Universitäten der Kirche arbeiten konnte: Brigham Young Universität, dann Rick’s College, BYU-Idaho und BYU-Hawai.

Als Forscher habe ich wohl jede der Öffentlichkeit verfügbare offizielle und halb-offizielle Stellungnahme über den Ausschluss vom Priestertums gelesen. Leider, und das ist die Wahrheit, muss jeder vernünftige Mensch, der solche Dokumente gelesen hat, zugeben, dass Heilige der Letzten Tage mit schwarz-afrikanischen Vorfahren zusätzlich zu dem, was immer sie in der Gesellschaft auszuhalten hatten, eine schwere Last getragen haben. Seit ich mich 1972 der Kirche anschloss, haben Heilige der Letzten Tage mich oder andere gleicher Abstammung mit Begriffen belegt wie: verflucht, weniger tapfer, konnte sich nicht entscheiden, Abstammung von Kain und anderen Begriffen, die zu unfreundlich sind, um wiederholt zu werden. Wenn Sie so wollen, stellt das einen Teil des Erbes oder besser der Last dar, die Mitglieder der Kirche mit schwarz-afrikanischen Vorfahren zu tragen hatten und denken Sie bitte daran: Ich komme aus Brasilien – ich spreche über meine Erfahrungen in Brasilien und nicht nur in den Vereinigten Staaten während der letzten 16 Jahre.

1995 sagte Präsident Gordon B. Hinckley dem CBS-Reporter Mike Wallace, dass diese Dinge „hinter uns liegen”. Man muss sich allerdings fragen, wie weit die Heiligen der Letzten Tage als Volk diese beschämende Tradition hinter sich gelassen haben. Könnte es sein, dass einige unter uns diese Gedanken immer noch mit sich herumtragen, anstatt sie wirklich zurückzulassen? Was mich betrifft, so bin ich sicher, dass das Kuratorium der Brigham Young Universität – und dazu gehören Mitglieder der Ersten Präsidentschaft und des Rates der Zwölf – meiner Berufung auf den Lehrstuhl der Fakultät für Religiöse Erziehung an der Brigham-Young-Universität Hawai nicht zugestimmt hätten, wenn sie geglaubt hätten, dass ich verflucht oder weniger tapfer sei oder was auch immer.

Vor etlichen Jahren habe ich mich entschieden, diese Dinge dem Urteil desjenigen zu überlassen, der alles weiß. Es gibt genug Krieg, unnötigen Streit und tragische Zerstörung in dieser Welt. Dazu möchte ich nicht beitragen. Deshalb habe ich mich darauf konzentriert, das Evangelium des Friedensfürsten, des Erlösers Jesu Christi, zu lehren und zwar so, wie es das Gewissen eingibt, um Menschen zum Glauben, zur Umkehr, zu reiner Christusliebe und zum Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes zu bringen – dem einzigen Weg zu Frieden und Glücklichsein in diesem Leben.

Trotzdem bekomme ich jedes Jahr eine Reihe von E-Mails und Anrufen – meistens freundliche – von Menschen aus der ganzen Welt, die mir Fragen über Rasse und den Ausschluss vom Priestertum stellen. Eine junge afrikanisch-amerikanische Schwester fragte mich einmal, ob es „abnormal” wäre, sich an dem Ausschluss vom Priestertum zu stören. Ich sagte ihr, dass alle Menschen Gefühle haben und wir können diesen wichtigen Teil unseres Menschseins, nämlich die Rasse, nicht unterdrücken. Mein einziger Vorschlag ist – und den habe ich selbst befolgt – nicht zuzulassen, dass diese Angelegenheit unseren Kindern oder Enkelkindern zusetzt. Ob es uns gefällt oder nicht, der Ausschluss vom Priestertum ist ein Bestandteil der Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in dieser Evangeliumszeit. Wir können ihn nicht verbergen. Wir können ihn nicht übertünchen. Er ist Teil der Geschichte. Ebenso wie das Mountain Meadows Massaker und andere unglückliche Ereignisse mag dieser Ausschluss als eine unleugbare Tatsache der Geschichte in Erinnerung bleiben – aber er sollte niemals einen bedeutenden Einfluss auf das Heute haben.

Zum Nutzen derjenigen, die mich nie angesprochen haben, möchte ich deshalb über einige meiner Einsichten zum Ausschluss vom Priestertum sprechen, die auf meinem jetzigen Verständnis der Schriften und der Lehren der Kirche basieren.

In meiner Vorstellung war der Ausschluss vom Priestertum niemals Teil des immerwährenden Evangeliums und ich habe in dem Gedanken Frieden gefunden, dass der Herr den Ausschluss vom Priestertum in seiner Kirche billigte, um seine unergründlichen Zwecke zu erfüllen; was immer sie sein mögen. Diese Überzeugung bringt mich zu dem Schluss, dass dieser Ausschluss niemals meine ewige Errettung gefährdete. Es gab einige bedeutende Rechte der Mitgliedschaft der Kirche, derer ich mich nicht vor dem 1. Juni 1978 erfreuen konnte. Es waren sehr bedeutende Rechte, aber nicht viele. Ich konnte getauft werden, ich erhielt die Gabe des Heiligen Geistes, ich konnte meinen Zehnten zahlen. Ich konnte die Schriften lesen, ich konnte beten, ich konnte am Abendmahl teilnehmen, ich konnte viele Berufungen ausüben, – wie auch meine Eltern – und all das tat ich in den Jahren zwischen 1972 und 1978; und ich konnte die Gebote des Herrn halten und dafür gesegnet werden. Keines dieser Rechte der Mitgliedschaft wurde mir verwehrt. Ich konnte nur nicht in den Priestertumsverordnungen amtieren, wie es meine Gleichaltrigen taten, noch konnte ich einen Tempel betreten und mein eigenes Endowment erhalten, noch an meine Eltern gesiegelt werden, aber davon abgesehen standen mir alle anderen Rechte der Mitgliedschaft offen.

Ich würde sogar sagen, dass der Ausschluss mir und anderen schwarzen Heiligen der Letzten Tage eine fortlaufende Möglichkeit bot, auf besondere Weise zu zeigen, wie tief wir dem Herrn und seinem Reich verpflichtet waren, wie Heilige der Letzten Tage anderer Rassen es niemals erfahren werden.

Lassen Sie mich erläutern, was ich mit „fortlaufenden Möglichkeiten” meine. In den drei Jahren, als ich meinen Doktor an der Brigham Young Universität machte, hielt ich teilzeitig Vorlesungen sowohl für die Fakultät der Gesellschaftswissenschaften als auch für die Fakultät der Geschichte und Lehren der Kirche. Jedes Semester kam wenigstens ein afrikanisch-amerikanischer Student mit der bedeutenden Sorge in mein Büro, dass er oder sie von jemandem gehört hätte, dass er nicht in das celestiale Reich kommen würde, weil er von einer verfluchten Linie abstamme. Häufig antwortete ich halb im Scherz, dass dies eine sehr bekannte falsche Lehre sei, denn sie stünde weder in den Schriften, noch wäre sie offiziell von der Kirche verkündet worden. Dann stellte ich den Studenten die Frage: Warum wurdest du getauft? Was nennen wir Taufe? Ausnahmslos war die Antwort, dass die Taufe das Tor zum celestialen Reich ist, worauf ich sagte: wenn die Taufe das Tor zum celestialen Reich ist, warum sollte es dir dann verwehrt sein, dort einzutreten, wenn du dein Leben lang glaubenstreu warst. Dann konnten diese Studenten verstehen, dass die Aussage, dass Schwarze nicht in das celestiale Reich kommen, nicht mit den wahren Lehren des wiederhergestellten Evangeliums übereinstimmte.

Obwohl diese jungen Leute erst getauft wurden, als der Ausschluss vom Priestertum schon aufgehoben war, mussten sie doch den gleichen Glauben ausüben wie früher (d.h. vor 1978) bekehrte Schwarze, um aktiv in der Kirche zu bleiben. Das meinte ich mit „fortlaufenden Möglichkeiten” um zu zeigen, wie tief die Verpflichtung des Einzelnen dem wiederhergestellten Evangelium gegenüber ist.

In meiner Vorstellung war der Ausschluss vom Priestertum und die damit verbundenen Erklärungen niemals Teil des wiederhergestellten Evangeliums. Ich würde behaupten, dass sie angelernte Reaktionen auf das gesellschaftliche Umfeld darstellen, in dem sich die Kirche im späten 19. und den größten Teil des 20. Jahrhunderts befand. Lassen Sie mich versuchen, diese Einsicht zu erläutern, indem ich einige Gesetze in Bezug zu einander setze, die ich vor einigen Jahren begriffen habe.

Klassifizierung von Gesetzen

Bei dem Versuch, verschiedene Gesetze, denen wir unterliegen, zu klassifizieren, wurden mir verschiedene Ebenen offenbar, die mit dem Ewigen beginnen – dem Gesetz des celestialen Reiches – danach folgt das Gesetz des Königreiches Gottes auf Erden. Die nächste Ebene entstammt einem Begriff, den der Herr selbst in Lehre und Bündnisse verwendet, nämlich die „sittliche Selbständigkeit”. Aus unserer sittlichen Selbständigkeit erwachsen mehrere irdische Gesetze und Gewohnheiten, einschließlich kultureller Merkmale und gesellschaftlicher Normen.

Natürlich wäre dieses Diagramm oder Modell unvollständig, wenn wir nicht den Gegensatz berücksichtigen würden, nämlich das Böse. Das Böse habe ich außerhalb des Diagramms hinzugefügt und meine damit etwas, was nicht von Gott kommt. Da ich keinen besseren Ausdruck gefunden habe, nannte ich es gottlose Gesetze oder Gebräuche.

Wir beginnen mit dem Gesetz des celestialen Reiches. Hier finden wir die sogenannten Naturgesetze. Elder James E. Talmage äußerte den Gedanken, dass der Heilige Geist als drittes Mitglied der Gottheit die Kräfte der Natur steuert – die Schwerkraft, den Schall, die Hitze, die Elektrizität, usw.[3] Wir können annehmen, dass der Elektromagnetismus und vielleicht auch die schwachen und starken nuklearen Kräfte durch den Heiligen Geist gesteuert werden.

Deshalb nenne ich diejenigen Gesetze, die die Schöpfung oder die Gestaltung der Welten steuern und die für die Aufrechterhaltung dieser Planeten, Sonnensysteme und Galaxien, etc. zuständig sind, Naturgesetze. Auf dieser Ebene sehe ich auch das Gesetz der Weihung, welches das Gesetz des celestialen Reiches ist, wie der Herr es in der Offenbarung sagt, die in Lehre und Bündnisse 78 niedergeschrieben ist. Weiter gibt es den neuen und immerwährenden Bund der Ehe, wie er in den Abschnitten 131 und 132 von Lehre und Bündnisse enthalten ist. Unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit versuchen Menschen auf der ganzen Welt nach diesen Gesetzen zu leben, auch wenn ihre Religion offiziell diesen Glauben nicht vertritt. Einige mögen es als Instinkt bezeichnen. Nennen Sie es wie Sie wollen, aber diesen ewigen Gesetzen kann man nicht entfliehen. Sie sind überwältigend und tief in uns verwurzelt.

Viele gläubige Männer und Frauen auf der ganzen Welt reagieren auf diesen angeborenen Wunsch, sich selbst zur Ehre Gottes zu weihen, indem sie ihre Leben dem religiösen oder humanitären Dienst hingeben. Einige sind Prediger oder Evangelisten geworden, während andere sich darauf konzentrieren, Armen und Bedürftigen zu helfen. Unter diesen, die nicht das Licht des wiederhergestellten Evangeliums haben, finden wir einige, die das Zölibat leben und andere Formen der Askese, zum Zeichen der Tiefe ihrer Verpflichtung. Auch ohne neuzeitliche Offenbarung, die durch lebende Propheten kommt, versuchen diese Menschen ihr Bestes und sie werden für ihre guten Werke ihren Lohn erhalten.

In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage haben wir immer noch das Gesetz der Weihung und zwar in der Weise, dass wir von unserer Zeit und unseren Talenten geben. Allerdings haben wir nicht mehr das Gesetz der Verwalterschaft und die Vereinigte Ordnung, was die Organisationsform des Gesetzes der Weihung darstellte. Die einzigen Reste der Vereinigten Ordnung, die wir heute unter uns haben, sind die Bestandteile des Wohlfahrtssystems der Kirche, welches den Armen und Bedürftigen zeitliche Unterstützung bietet.

Der nächste Bestandteil des Gesetzes des celestialen Reiches ist die ewige Ehe. Von unserer Kindheit an sehnen wir uns nach dem Muster der nahen Verbundenheit, wie sie das Familienleben schafft. Kleine Mädchen spielen zum Beispiel „Zuhause” und „Mutter” mit ihren Puppen. Jeder – und daran glaube ich und habe ein Zeugnis davon – wird zu irgendeinem Zeitpunkt eine angemessene Gelegenheit erhalten, einen guten Menschen zu finden, der ihm oder ihr gefällt, und den er oder sie von ganzem Herzen lieben wird und dieser Mensch wieder, glauben Sie es oder nicht, wird umgekehrt den anderen von ganzem Herzen lieben. Viele von ihnen werden in diesem Leben die Möglichkeit erhalten, in das Haus des Herrn zu gehen, um in einen ewigen Bund einzutreten, während andere, die dieses Leben ohne diese Segnung verlassen, ohne Zweifel diese Möglichkeit in der Zukunft bekommen werden.

Diese gerade erwähnten Gesetze – die Naturgesetze, das Gesetz der Weihung und das Gesetz der Ewigen Ehe stellen eine Kategorie dar, die ich das Gesetz des celestialen Reiches genannt habe.

Nun kommen wir zu dem, was ich als das Gesetz des Königreiches Gottes auf Erden bezeichnet habe. Hier finden wir das Gesetz des Gehorsams, ebenso das Gesetz des Opferns und in Verbindung mit Opfern haben wir die Umkehr, denn um umzukehren müssen wir etwas opfern – irgendwelche Gelüste, irgendwelche Leidenschaften oder Vergnügungen, damit wir mit den Gesetzen Gottes übereinstimmen, die wir mit dem Versprechen angenommen haben, dass wir sie befolgen.

Auf dieser Ebene finden wir die Taufe, das Gebet, die Keuschheit, den Zehnten und andere Opfergaben, die Sabbatheiligung und das Wort der Weisheit.

Als nächstes kommen wir zu der sittlichen Selbständigkeit. Dieses Merkmal ist, wenn Sie wollen, ebenfalls ein weltweites menschliches Merkmal. Unabhängig von Staatsangehörigkeit, Kultur, Religion oder Lebensphilosophie hat jeder Mensch von Natur aus die Anlage, das Leben zu achten und zu ehren; gleichermaßen die Freiheit, den Körper, das Eigentum und die Tugend. Jeder bringt diese Anlage mit, auch wenn manche diesen Einfluss bekämpfen, bis sie ihn nicht mehr fühlen.

Aus der sittlichen Selbständigkeit erwachsen, was ich die moralischen Gesetze und Gebräuche nenne. Hier finden wir unsere politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Systeme. Es handelt sich um menschliche Entwicklungen unter dem Einfluss der uns von Gott gegeben sittlichen Selbständigkeit, die eine Antwort auf unsere Umstände darstellen.

Diese Ebene schließt die Verfassungen von Staaten ein; ebenso Verträge, Interessensverbindungen und standesamtliche Heiraten. Die ewige Ehe findet sich im Gesetz des celestialen Reiches und unter den irdischen Gesetzen finden wir die standesamtlichen Heiraten, die für das Erdenleben gelten oder „bis dass der Tod euch scheidet.”

Auf dieser Ebene des Diagramms finden wir auch gesellschaftliche oder kulturelle Normen oder das, was in besonderen gesellschaftlichen Zusammenhängen und in gesellschaftlichen Wechselbeziehungen als richtig oder falsch, als angemessen oder unangemessen angesehen wird.

Wie ich bereits sagte, musste ich auch gottlose Gesetze und Gebräuche in diese Klassifizierung aufnehmen. Hier würden wir ungerechte Herrschaft in all ihren Formen finden – einschließlich der Tyrannei und jede Form der Unterdrückung, ebenso Gefangenschaft und Sklaverei. Wir sollten uns klarmachen, dass es viele Arten von Gefangenschaft gibt. Sie beschränkt sich nicht auf die Sklaverei, sondern es gibt viele, die in Gefangenschaft sind, weil sie von chemischen Substanzen abhängig sind, einschließlich Drogen und vielleicht sogar von Lebensmitteln. Menschen befinden sich auch in finanzieller Gefangenschaft weil sie übermäßige Schulden haben.

Sich trotz des Ausschlusses vom Priestertum am Evangelium erfreuen

Angesichts von mangelnden zusätzlichen Information zum Ursprung des Ausschlusses vom Priestertum, habe ich meine Klassifizierung genutzt, um den Ausschluss als ein irdisches Gesetz einzuordnen; als eine Regel oder eine Vorschrift, die eine angelernte Reaktion auf das gesellschaftliche Umfeld darstellen, in dem sich die Kirche im späten 19. und dem größten Teil des 20. Jahrhunderts befand. Für die Kirchenführer vor etwa 150 Jahren war es die beste Vorgehensweise zu der Zeit und sie nutzten ihre Schlüssel des Priestertums um sie durchzusetzen. Wegen seiner unergründlichen Zwecke schwieg der Herr über diese Angelegenheit bis zum 1. Juni 1978. Diese Klassifizierung und Hypothese sind für mich persönlich ausreichend, bis der Nachweis vorgelegt wird, dass es eine Offenbarung aus dem 19. Jahrhundert gibt, die den Ausschluss begründete.

Wenn man den Ausschluss als ein irdisches Gesetz ansieht und nicht als Teil des immerwährenden Evangeliums, ist die Hauptkonsequenz, dass ich in den wichtigsten Dingen nichts verloren habe. Ich konnte mich jeder Segnung des wiederhergestellten Evangeliums erfreuen – mit Ausnahme der Tempelverordnungen und dem Amtieren in Priestertumsverordnungen. Aber ich konnte mich aller anderen Dinge erfreuen. Ich konnte ein Zeugnis durch die Macht des Heiligen Geistes haben und tatsächlich erhielt ich viele Zeugnisse von der Wahrheit des Evangeliums und von der Botschaft der Wiederherstellung. Einige mögen beklagen, dass sie nicht so glücklich waren wie ich. Aber lassen Sie mich denjenigen etwas im Zusammenhang mit einem Zeugnis erklären. Einigen ist es durch den Heiligen Geist gegeben zu wissen, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und dass er für die Sünden der Welt gekreuzigt worden ist. Anderen ist es gegeben, dass sie ihren Worten glauben, damit auch sie ewiges Leben haben können, wenn sie weiterhin treu bleiben.”[4]

Einigen ist es gegeben zu wissen, andern ist es gegeben, dem Zeugnis derer zu glauben, die wissen. Aber diejenigen, die nur glauben ohne etwas zu fühlen oder zu sehen, werden auch ewiges Leben haben. Das nenne ich „das Nephi-Sam Kontinuum”. Ich habe an der BYU-Hawai einen Kursus über Kirchenorganisation und Führerschaft geschaffen, wo ich bestrebt bin, zukünftige FHV-Leitungen, PV- und JD-Leitungen, zukünftige Ältestenkollegiumspräsidentschaften, Bischofschaften, Pfahlpräsidenten und so weiter auf ihr Amt vorzubereiten – ein hochgestecktes Ziel. Tatsächlich hat bereits einer meiner früheren Studenten als Bischof gedient. Ich erzähle meinen Studenten: Schaut, einige unter uns sind wie Nephi und andere wie Sam und deshalb der Begriff „das Nephi-Sam Kontinuum”.

Zu Anfang des Berichtes im Buch Mormon lesen wir, wie Nephi mächtige geistige Kundgebungen über die Zukunft und so weiter empfängt, während seiner älterer Bruder Sam offensichtlich keine dieser wunderbaren Erfahrungen macht. Die Visionen der Ewigkeit öffneten sich ihm nicht, aber Nephi sagt uns: „Ich redete mit Sam und gab ihm alles bekannt, und er glaubte meinen Worten.”[5] Und mit seinem letzten Segen segnete Lehi Sam: „Gesegnet bist du und deine Nachkommen”[6]

Unter uns gibt es diejenigen, die mächtige geistige Erlebnisse haben und bereits mit Tränen in den Augen in der Zeugnisversammlung an das Podium treten. Ich glaube, dass sie wirklich etwas Starkes fühlen. Die wirklich wichtige Frage für diejenigen unter uns, die bislang noch nicht mit solch mächtigen Kundgebungen gesegnet wurden, ist: „Bin ich glaubenstreu, gehorsam und Gott ergeben?” Diejenigen unter uns, die beklagen, dass sie niemals diese wunderbaren geistigen Kundgebungen erlebt haben, brauchen sich nicht zu sorgen.

Bis 1978 war ich also ohne Priestertum aber mit der Macht des Heiligen Geistes und der Verheißung des ewigen Lebens. Die Frage ist, war das nicht schon genug? Sicher wäre es schön gewesen, schon vor 1978 mich aller verfügbaren Segnungen zu erfreuen, aber wir hatten die feierliche Verheißung, dass wir eines Tage alle verfügbaren Segnungen erhalten würden. Deshalb stelle ich die Frage: „War das nicht genug?” Niemand hat etwas verloren, kein Mensch schwarz-afrikanischer Abstammung hat etwas verloren, indem er sich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage vor 1978 anschloss, ohne das Priestertum tragen zu können. Man konnte sich der meisten Segnungen der Mitgliedschaft der Kirche erfreuen.

Aber jetzt sind wir hier und die gute Nachricht ist, dass das Vergangenheit ist und heute kann sich jeder von uns dieser Segnungen erfreuen. Das bringt uns zu der nächsten Frage: „Wo stehen wir heute?”

Ein umfassender Ausblick auf die Offenbarung von 1978

Im Rückblick auf die langfristigen Folgen der Offenbarung über das Priestertum sagte Präsident Gordon B. Hinckley, dass damit die Bedingungen für die Erfüllung einer Schriftstelle in Lehre und Bündnisse 1:20 geschaffen wurden wo es heißt: „…damit jedermann im Namen Gottes, des Herrn, ja, des Erretters der Welt, sprechen könne;”[7]

Bis wir mehr über vergangene Evangeliumszeiten wissen, einschließlich der Evangeliumszeiten in anderen Teilen der Welt, von denen wir nichts wissen – bis wir also mehr wissen werden, ist diese Offenbarung von 1978 in der bekannten Geschichte der Evangeliumszeiten von ähnlicher Bedeutung wie die Offenbarung, die in der Mitte der Zeiten dazu führte, dass den Andern das Evangelium gepredigt wurde. Wie die Worte von Präsident Hinckley vermuten lassen, stellt die Offenbarung von 1978 einen bedeutenden Schritt zur Wiederherstellung der Fülle des Evangeliums dar. Die Ehren und Rechte, nach denen alte Pharaonen und Kaiser getrachtet haben, stehen jetzt allen offen, die zu Christus kommen. Damit ist der Weg für Männer und Frauen auf dem ganzen Planeten frei, eines Tages Priester und Könige des Allerhöchsten[8] zu werden, indem sie den Gesetzen und Verordnungen des wiederhergestellten Evangeliums gehorchen.

Das 20. Jahrhundert ging gerade zu Ende. Die Schriften offenbaren, dass eintausend Jahre unserer Zeit wie ein Tag für den Herrn ist. Deshalb glaube ich, dass ihm unser Kalender und der Ablauf der Jahre, Jahrhunderte und so weiter nicht so wichtig sind. „…und sie alle sind ein Jahr für Gott, nicht aber für den Menschen.”[9] Aber für uns sind diese Dinge wichtig. Das 20. Jahrhundert ging zu Ende und es war ein gewaltiges Jahrhundert. Wir haben das Beste und das Schlimmste der Menschheit gesehen. Früher unvorstellbare Höhen und Tiefen, Weltkriege, Gewalttätigkeiten und Zerstörung jenseits jeder Vorstellung, Schrecken, die wir in unseren schlimmsten Albträumen nicht erlebten, fanden in vielen Teilen der Welt tatsächlich statt. Aber wenn wir ebenso die Errungenschaften, die Entwicklungen, den Triumph des menschlichen Geistes trotz des Terrorismus, des Drogenhandels, trotz allem Ansehen; wenn wir etwas wie den Beginn einer weltumspannenden Renaissance beobachten, etwas noch nie Dagewesenes, Weitreichendes, dann müssen wir ausrufen: „Was für eine wunderbare Zeit zu leben!”

Jetzt müssen wir das Gute bewahren und wenn möglich verbessern. Wir müssen die Lektionen der Vergangenheit lehren, ohne sie zu wiederholen oder alte Wunden aufzureißen. Das habe ich versucht zu tun.

Ich habe meine persönliche Ansicht geschildert, dass ich vor 1978 nichts verpasst habe, was ewige Bedeutung gehabt hätte. Das Priestertum gehört dem Herrn. Die Kirche gehört dem Herrn. Er lässt sein Priestertum denjenigen übertragen, die er wählt. Er kann das Priestertum wieder nehmen, wenn er möchte. Es ist seine Kirche und er kann tun, was er möchte, das ist meine Meinung.

Dies ist eine Zeit zum Handeln und nicht für Aktivismus. Ich betrachte mich als ein demütiger Nachfolger Jesu Christi und ich hoffe, dass ich dieses Titels würdig bin und dass ich gleichermaßen auch ein Seelsorger in seinem Evangelium bin. Alles was ich möchte, ist in seinem Reich zu dienen, zu lehren, zu bezeugen. Und dass habe ich die meiste Zeit meines Lebens als Mitglied dieser Kirche getan. Aufgrund der Gegend, aus der meine Frau und ich kommen, hatten wir viele Möglichkeiten, in vielen Aufgaben in der Kirche zu dienen. Wir streben nicht nach Ämtern. Wir streben nur danach, in der Gegenwart unseres Vaters im Himmel zusammen mit unseren Familien und unseren Lieben errettet zu sein. Der Herr hat mich zumindest für würdig befunden, dieses Priestertum zu erhalten und er gewährte meiner Frau und mir den Segen, im Haus des Herrn für Zeit und Ewigkeit gesiegelt zu werden.

Es gibt viel Gewalt und Krieg in dieser Welt. Überall gibt es diejenigen, die nicht in der Lage zu sein scheinen, den Hass und die Vorurteile der Vergangenheit loszulassen und andere wiederum können nicht aufhören, die Schmerzen der Vergangenheit neu zu durchleben. Meine Antwort an beide Gruppen ist heute die gleiche, wie ich sie seit vielen Jahren gebe.

Für diejenigen, die noch nicht willens oder nicht bereit sind, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, schlage ich vor, dass sie, während sie so fühlen, der Aufforderung des Apostels Paulus folgen: „Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit.”[10] Menschen können im Laufe der Zeit durch ihre Werke beweisen, dass sie wirklich auserwählte Geister sind, die für diese Zeit zurückbehalten wurden, um der Welt durch Taten zu bezeugen: „…dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.”[11]   und das wird eine mächtigere und bleibendere Wirkung haben, als jedes nachhaltige Vorurteil.

Mit Glauben nach vorn schauen

Der erste Tempel in Westafrika wurde im Januar 2004 in Accra, Ghana geweiht. Der Aba Nigeria Tempel folgte im August 2005. Es ist von großer Bedeutung, dass diese Tempel heute in Betrieb sind. Ihre Präsenz im äquatorialen Afrika scheinen die Bedeutung und die Anwendbarkeit der wunderbaren Prophezeiung zu erweitern, die in einer feierlichen Erklärung an die Welt enthalten war, die der damalige Elder Wilford Woodruff schrieb und die von den Zwölf Aposteln 1845 unterschrieben wurde:

„Der verachtete und herabgesetzte Sohn des Waldes, der in Niedergeschlagenheit und Sorge umherwanderte und Tadel ertragen musste, soll schließlich seine Verkleidung abwerfen und in männlicher Würde hervortreten und den Andern, die ihn beneideten und ihn verkauften zurufen: ‚Ich bin Joseph – lebt mein Vater noch?’. Oder, in anderen Worten, ich bin ein Nachkomme des Joseph, der nach Ägypten verkauft wurde. Ihr habt mich gehasst und mich verkauft und ihr dachtet, ich wäre tot. Aber seht, ich lebe und bin der Erbe des Erbgutes, der Titel, Ehren, des Priestertums, des Zepters, der Krone, des Thrones und des ewigen Lebens und der Würde meiner Väter, die für immer leben.”

„Dann soll er ordiniert, gewaschen, gesalbt mit heiligem Öl und in feine Leinen gekleidet werden, ja in die herrlichen und schönen Kleider und königlichen Gewänder des Hohen Priestertums, welches nach der Ordnung des Sohnes Gottes ist und soll in das Heiligtum eintreten, um dort mit Vollmacht und Macht gekrönt werden, die niemals enden werden.”

„Der Geist des Herrn soll sich auf ihm niederlassen, wie der Tau auf dem Berg Hermon und wie erfrischende Regenschauer auf den Blumen des Paradieses. Sein Herz soll sich weiten mit Wissen, so weit wie die Ewigkeit und sein Sinn soll die gewaltigen Schöpfungen seines Gottes erfassen und seine ewigen Zwecke der Erlösung, der Herrlichkeit und Erhöhung, die im Himmel erdacht wurden, bevor die Welten erschaffen wurden, die aber in diesen letzten Tagen kund gemacht wurden für die Fülle der Andern und für die Erhöhung Israels. Er soll auch seinen Erlöser sehen und mit Seiner Gegenwart erfüllt werden, wenn die Wolke seiner Herrlichkeit in seinem Tempel zu sehen sein wird.”[12]

Viele Jahre lang hatte ich einen düsteren Gedanken und ich werde nun etwas sehr Persönliches mit Ihnen teilen, etwas, was ich nie zuvor öffentlich gesagt habe. Ich habe den Gedanken, den düsteren Gedanken, dass meine Existenz und alle Segnungen und Rechte, derer ich mich heute erfreue, die Folge davon sind, dass einige meiner Vorfahren von irgendwo in Afrika als Sklaven durch die Hand meiner anderen Vorfahren ein Leben von furchtbarem Leiden und Missbrauch erdulden mussten. Aber dann erinnerte ich mich eines Tages, dass unser Vater Joseph ebenso als Sklave verkauft wurde.

Meine jüngeren Vorfahren waren nicht anders als Joseph. Joseph litt furchtbar, als er an die Midianiter verkauft wurde und später an die Ägypter. Mein Vater Joseph weiß, was es heißt, ein Sklave zu sein. Aber wegen der Segnungen Gottes und wegen seiner Glaubenstreue hat der Herrn ihn zu einem stellvertretenden Herrscher in Ägypten gemacht.

Derartige Erwartungen habe ich natürlich nicht, denn ich bewerbe mich nicht um ein politisches Amt oder dergleichen. Aber wenn ich glaubenstreu bin, dann werde ich die Throne, Reiche, Mächte und Erhöhungen erhalten, die meiner Frau und mir verheißen wurden, als wir vor dreißig Jahren im Tempel gesiegelt wurden. Und gemeinsam werden wir stehen können und fragen: „Ich bin Joseph, lebt mein Vater noch?” Und dann werden wir all unsere Segnungen in Besitz nehmen, alle Ehren, alle Rechte und Privilegien des heiligen Priestertums im himmlischen Königreich. Segnungen, die wir heute nicht völlig verstehen können, die aber ausreichend sind für uns alle und Milliarden und Abermilliarden unserer Brüder und Schwestern.

Ich weiß nicht, ob meine Worte für einige Sinn machen. Ich wünschte, ich wäre wortgewandter. Aber ich kann Ihnen sagen, dass ich weiß, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die einzige wahre und lebende Kirche auf dem Angesicht der Erde ist, die von lebenden Propheten geführt wird und dass Joseph Smith ein Prophet Gottes war. Es gibt vieles, was wir nicht verstehen und einiges mag schwer zu ertragen sein, aber so ist es.

Es gibt viele gute Kirchen auf der Welt. Viele große Philosophien, die auf unterschiedene Weise Milliarden von Menschen intellektuelle oder geistige Zufriedenheit geben. Aber in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage haben wir die Macht des Priestertums, die Wahrworte des Herrn, seine lebenden Propheten, die Verordnungen, die uns darauf vorbereiten, in die Gegenwart Gottes zurückzukehren, gekleidet in Unsterblichkeit und ewiges Leben, um für immer mit unseren Vätern Adam und Abraham und Joseph zusammenzuleben. Ich bezeuge, dass diese Dinge wahr und Teil des wahren Evangeliums Jesu Christi sind.

Fragen und Antworten:

Frage: Sind Sie der Sohn von Elder Helvécio Martins? Wenn ja, würden Sie Präsident Kimballs Verheißung an ihn schildern, die von Präsident Faust wiederholt wurde?

Martins: Ja, ich bin der Sohn von Helvécio Martins. Das „H” steht für Helvécio. Ich bin Marcus Helvécio Tourinho de Assis Martins, aber sogar für Brasilien ist dieser Name zu lang, weshalb ich mich Marcus H. Martins nenne. Mein Vater war großartig. Einer der größten Menschen, die ich je gekannt habe. Er starb im Mai des vergangenen Jahres. Einige Zeit bevor ich ihn in Brasilien besuchen wollte, hatten wir in unserer Familie gleich zwei Schicksalsschläge. Meine Schwiegermutter starb sechs Tage vor ihrer goldenen Hochzeit, als wir auf dem Weg dorthin nach Brasilien waren. Nachdem wir schließlich ankamen und meinen Schwiegervater besuchten, starb mein Vater drei Tage später.

Die Verheißung nach der hier gefragt wurde, betrifft das erste Treffen meines Vaters mit Präsident Kimball im Jahre 1973. Ich weiß nicht, ob seine Autobiographie noch erhältlich ist – da ist das Ganze im Einzelnen beschrieben – aber Präsident Kimball erzählte ihm, dass das Schlüsselwort für ihn „Glaubenstreue” wäre. Wenn er glaubenstreu bliebe, dann würde er eines Tages alle Segnungen des Evangeliums erhalten. Das war 1973. Präsident Kimball wiederholte diese Verheißung 1977 anlässlich der Grundsteinsetzung des Sao Paulo Tempels. Damals wurde der Grundstein ungefähr ein Jahr vor der Weihung des Tempels gesetzt und Präsident Kimball besuchte meinen Vater. Es war interessant, wie der Besuch zustande kam und mein Vater schilderte die Einzelheiten. Es war ein schönes Erlebnis und Präsident Kimball fragte: Erinnern Sie sich, was ich Ihnen vor Jahren sagte? Mein Vater sagte: Ja, Präsident, ich erinnere mich. Als sie sich 1973 begegneten, war Präsident Kimball der Präsident des Rates der Zwölf. Es war nur wenige Monate vor dem Tod von Präsident Harold B. Lee. Bei dem zweiten Treffen 1977 war Präsident Kimball der Präsident der Kirche.

Frage: Meinen Sie, dass die Kirche zugeben sollte, dass der Ausschluss vom Priestertum rassistisch war und sich entschuldigen sollte, damit wir das hinter uns lassen können?

Martins: Ich gab ein Interview bei KSL in den Neunzigern und damals sagte ich, und das fühle ich immer noch so, dass sich niemand für irgendetwas entschuldigen muss. Die Kirche wird als eine Einrichtung durch Offenbarung geleitet. 1978 gab es eine Offenbarung über das Priestertum. Es gab sie nicht früher. Ich sah vorhin dort draußen das Buch: „David O. McKay und der Aufstieg des modernen Mormonismus” von Gregory A. Prince und Wm Robert Wright. Präsident David O. McKay war persönlich geneigt – zumindest sagen das die Angaben, die wir haben aus – den Ausschluss zu aufzuheben, aber als Prophet musste er den Herrn fragen und die Antwort war: „Noch nicht.”

Wir haben einige Hinweise, dass Präsident Harold B. Lee sich selbst als Präsident der Kirche mit dem Thema befasst hat und die Antwort an ihn war ebenso: „Noch nicht.”

Deshalb denke ich, dass es keine Entschuldigung geben sollte. Sehen Sie, ich habe kein Problem mit dem Ausschluss. Wenn der Herr zu Präsident Hinckley sagen würde, dass er das Priestertum den Schwarzen oder den Asiaten oder wem auch immer wegnehmen sollte, dann wäre es für mich kein Problem. Dann bräuchte ich wenigstens nicht jeden Monat heimlehren zu gehen! (Gelächter) Ich gehe gern heimlehren! Mein Vater hat über das Heimlehren auf der Generalkonferenz gesprochen.

Alle Scheinerklärungen für den Ausschluss waren menschliche Versuche, um ihn zu erklären und ich glaube, dass sie daneben lagen. Einige von uns hegen auch heute noch rassistische Gefühle. Bekehrung ist nicht das Ziel, es ist ein Prozess und wir können zu vielen Dingen unterschiedlich bekehrt sein. Sich zu der Auffassung zu bekehren, dass wir alle buchstäblich Brüder und Schwestern sind, kann für den einen länger dauern, als für den andern.

Ich bin nicht hier, um zu richten. Sollte die Kirche zugeben, dass der Ausschluss rassistisch war? Ich glaube nicht, dass er rassistisch war, aber er lieferte denjenigen, die rassistische Gefühle hegten, ein gutes Argument, indem sie sich sagen konnten, dass sie eine religiöse Rechtfertigung dafür hätten. Wie auch immer, es ist geschehen. Wie ich schon sagte, es ist eine Tatsache der Geschichte.

Und nein, ich glaube nicht, dass sich jemand entschuldigen sollte. Ja, ich würde gern Brigham Youngs und John Taylors Erklärungen hören – aber dazu stehen sie im Moment nicht zur Verfügung. (Gelächter) Ich habe es auch nicht eilig, in die Geisterwelt zu kommen, um mit ihnen zu reden. Was mich betrifft – ich schreite voran und das andere ist Vergangenheit – es ist Geschichte und es tut mir überhaupt nicht weh.

Frage: Konnten Schwarze vor Juni 1978 Taufen für die Toten vollziehen?

Martins: Theoretisch ja, aber ich glaube nicht, dass mir irgendeiner meiner Bischöfe oder Pfahlpräsidenten damals in Brasilien einen Tempelschein für stellvertretende Taufen ausgestellt hätte. Ich kam 1976 zum ersten Mal in die Vereinigten Staaten und ich erinnere, dass ich den Los Angeles Tempel und den Salt Lake Tempel von außen sah und ich kam gar nicht auf den Gedanken, das jemand ohne Endowment Taufen für die Toten vollziehen könnte. Erst als ich Jahre später verschiedene Quellen sichtete, wurde mir klar, dass es theoretisch möglich gewesen wäre. Ich glaube aber auch, dass vieles der Auslegung der örtlichen Priestertumsführer unterlag und ich weiß nicht, wie viele dafür gewesen wären.

Im übrigen war ich Tempel-Verordnungsarbeiter und während ich um die Welt reise, stelle ich fest, dass es von einem zum anderen Tempel Unterschiede in den Abläufen gibt und damals hätte es sein können, dass ein Schwarzer mit einem Tempel-Empfehlungsschein in den einen Tempel eingelassen worden wäre und jenseits der Grenze nicht, weil die örtliche Präsidentschaft sagen würde: Ich glaube nicht, dass das koscher ist.

Immerhin gab es die Möglichkeit. Ich kenne keinen Fall, aber wenn ich an die Zeit in der Kirche Mitte der 1970er Jahre denke, dann hatten wir nicht die Möglichkeiten der Kommunikation wie heute und so waren viele Dinge der örtlichen Auslegung überlassen. Vielleicht beantwortet es nicht ganz die Frage, aber das ist das, was ich dazu sagen möchte.

Vielen Dank.


Fussnoten
:

1 Teile dieser Abhandlung wurden am 18. Januar 2004 anlässlich einer LDSSA

Fireside (kirchliche Studentenorganisation) an der Stanford Universität dargeboten.

2 Bruder Elijah Abel, ein Siebziger, war das erste Mitglied mit schwarz-afrikanischen

Vorfahren, der eine Vollzeitmission für die Kirche im 19. Jahrhundert erfüllte.

3 Die Glaubensartikel, S. 165

[4] Lehre u. Bündnisse 46:13,14

5 1. Nephi 2:17

6 2. Nephi 4:11

7 „Die Wiederherstellung des Priestertums” Ensign Oktober 1988 S. 69

8 Offenbarung 1:6, 5:10

9 Lehre u. Bündnisse 88:44

10 1. Timotheus 4:12

11 Apostelgeschichte 10:34,35

12 Erklärung der Zwölf Apostel an die Welt vom 6. April 1845 in James R. Clark

Botschaften der Ersten Präsidentschaft”, 1:260

 

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Last Updated November 07, 2009
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