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Die Bibel verurteilt homosexuelles Verhalten

Justin W. Starr

Ein großer Teil der Welt hat seine Haltung gegenüber der Homosexualität im Laufe des letzten halben Jahrhunderts überdacht. Die Diskussion hat in den meisten moderneren Ländern zur Folge, dass homosexuelles Verhalten nicht mehr unter Strafrecht steht und Anti-Diskriminierungs-Maßnahmen verordnet werden. In einigen Ländern wird die Homosexualität ausgesprochen befürwortet, indem gleichgeschlechtliche Ehen oder andere Formen gleichgeschlechtlicher Beziehungen anerkannt werden.[1] Diese Diskussion ist nicht an der theologischen Gemeinde vorbeigegangen. Während einige religiöse Gemeinden nur einen kurzen Blick am Rande mitbekommen haben, befürworten andere homosexuelle Vereinigungen und die Ordinierung von homosexuellen Seelsorgern. In vielen Fällen überschreibt die Tugend der Toleranz, wenn Toleranz als Tugend bezeichnet werden kann,[2] die Laster der Sünde. Wie David Malick schreibt, „hat es einen kulturellen Umschwung vom theologischen Denken hin zur Nachsicht gegenüber geschaffenen moralischen Tatsachen gegeben.”[3]

Für die theologische Bewegung, die die Homosexualität eher stillschweigend duldet als verurteilt, ist es nötig, die traditionelle Ansicht wegzudiskutieren, dass die Bibel homosexuelle Akte verurteilt. Letzten Endes kann das die Aushöhlung aller biblischen Autorität bedeuten. Die Episkopalkirche zum Beispiel, hat kürzlich mit dem Ergebnis darüber diskutiert, dass ein bekennender Homosexueller zum Bischof ordiniert wurde. David Anderson, Präsident des Amerikanisch-Anglikanischen Rates stellt fest, dass, obwohl es in den Diskussionen um Sex und Toleranz ging, der wahre Sachverhalt „der Verlust der biblischen Autorität ist.” Der konservative Kommentator George Will schreibt:

„Die Fürsprecher des homosexuellen Bischofs argumentieren so wie einige Amerikaner, die neue Rechte und sozial-politische Notwendigkeiten in einer grenzenlos elastischen „lebenden Verfassung” finden. Die Fürsprecher des Bischofs sagen, dass die Schrift und 2000 Jahre Kirchenlehre über Sexualität und Familie ‚erfinderische Auslegung einer gewissen Idee’ sind. Ehrwürden Martyn Minns aus Fairfax, Va., ein Gegner, sagt (während der anglikanischen Klausurtagung) ‚Als auf die deutliche Lehre der Bibel hingewiesen wurde, verdrehten einige die Augen und sagten uns in mitleidiger Höflichkeit, dass es Zeit wäre, voranzuschreiten. Die Bibel hätte einfach nicht mit der Zeit Schritt gehalten.’”[4]

Richter Holmes schrieb einmal, dass die Verteidigung des Offensichtlichen dringend erforderlich wäre. Diese Ausarbeitung wird ein Thema und eine Schlussfolgerung behandeln, die früher offensichtlich waren, aber in letzter Zeit heftig angegriffen werden. Die Homosexualität ist vielleicht die sittliche Kernfrage unserer Zeit. Es war einmal selbstverständlich – und ich glaube, das ist es für einfache Menschen heute noch – dass die Bibel homosexuelles Verhalten verurteilt. Diese Ausarbeitung möchte diese Meinung erneuern.

Zu Beginn ist zu sagen, dass ein rein intellektueller Ansatz bei diesem Thema schlussendlich fehlschlagen wird, was auch die Hauptursache unserer augenblicklichen Nöte sein mag. Das Problem in der Anglikanischen Kirche ist zum Beispiel nicht ein Mangel, sondern die Überfülle von Intellektuellen, die das Geistige hinter sich gelassen haben und jetzt meinen, dass sie aus sich selbst alles wissen. Für sie ist Religion eine rein intellektuelle Übung geworden. Im Gegensatz dazu verstehen die schwachen und einfachen Menschen der Erde diese Angelegenheit von Natur aus. Obwohl diese Ausarbeitung versuchen wird, das Thema intellektuell anzugehen, erkennt sie an, dass diesem Ansatz Mängel innewohnen.

Die Schöpfung und die Ordnung des Schöpfers

Vielleicht ist die bedeutendste Aussage der Bibel über Homosexualität die Schöpfungsgeschichte. Die Schöpfung ist die Grundlage aller folgenden biblischen Aussagen über Sexualität. Die Schöpfung lehrt uns die Ordnung Gottes, die Art des Geschlechtes, die Rolle von Mann und Frau, den Zweck der Sexualität und den Ursprung der Familie. Jesus verknüpft ausdrücklich die richtige Sexualität mit der Schöpfung (Matth. 19:3-7), und Paulus’ Lehren über Homosexualität in Römer 1:26,27 erwachsen ebenfalls aus der Schöpfung.

Genesis 1 lehrt, dass Gott „alle Arten” schuf und ihnen gebot: „Seid fruchtbar, und vermehrt euch … auf dem Land” und „Gott sah, dass es gut war” (Genesis 1:21-22,25). Dies war die aufgestellte Ordnung für alle. „Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen (adam) machen als unser Abbild, uns ähnlich. Gott schuf also den Menschen ( ha’adam) als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann (zakar) und Frau (neqeba) schuf er sie (Genesis 1:26,27). Nachdem er die zwei Geschlechter geschaffen hatte, ist Gottes erstes Gebot an sie das gleiche, was er allen anderen Arten gegeben hatte: „Seid fruchtbar, und vermehrt euch, bevölkert die Erde” (Genesis 1:28).

Das Kapitel 2 der Genesis gibt uns weitere Informationen über die körperliche Erschaffung von Adam und Eva. Gott sagt : „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen” (Genesis 2:18). Während jedoch alle Tiere und Vögel „aus dem Ackerboden geformt wurden” (Genesis 2:19), wurde Eva aus Knochen Adams erschaffen: „Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch. Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu” (Genesis 2:21-22).

Adam lernte durch diesen Ablauf, was er lernen sollte. „Und der Mensch sprach: Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie heißen; denn vom Mann ist sie genommen” (Genesis 2:23). Mann und Frau waren einmal eins – sie entstammen dem gleichen Knochen und dem gleichen Fleisch und sollten wieder eins werden. „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch” (Genesis 2:24). Eins zu werden ist eine biologische Realität, die sich in der Bezeichnung von John Finnis widerspiegelt, nämlich die „natürliche Teleologie des Körpers”. Gleichzeitig ist es eine geistige Realität, wieder vereint zu werden in dem Sinne, dass Mann und Frau einmal ein Fleisch waren und der Mann „bindet sich an seine Frau und sie werden (wieder) ein Fleisch.”[5]

Adam und Eva aßen von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse und wurden aus dem Garten vertrieben. Adam nannte seine Frau „Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen” (Genesis 3:20). Und „Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: Ich habe einen Mann vom Herrn erworben” (Genesis 4:1). Adam und Eva hatten sich mit Gott in der göttlichen Ordnung der Dinge verbunden, sie waren ein Fleisch geworden und hatten ein Kind vom Herrn bekommen.

Jesus bestätigte später diese Ordnung der Dinge. In Matthäus 19 kamen Pharisäer zu Jesus, die ihm eine Falle stellen wollten und fragten, ob man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen dürfe. „Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen (Matthäus 19:3-6).

Hätten sie Jesus zur Homosexualität befragt, anstelle von Scheidung, dann hätte er die gleiche Antworten gegeben haben können. Gott erschuf die Menschheit als Mann und Frau. Das war seine Ordnung und aus diesem Grund ist es so, nämlich weil Gott selbst es so beabsichtigte, dass der Mann Vater und Mutter verlassen soll und sich an seine Frau binden soll. Somit sollen Mann und Frau in der göttlichen Ordnung der Dinge zusammensein.[6] Wie Paulus lehrt: „Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann, noch den Mann ohne die Frau. Denn wie die Frau vom Mann stammt, so kommt der Mann durch die Frau zur Welt; alles aber stammt von Gott” (1. Korinther 11:11,12). Gott hat Mann und Frau verbunden und der Mensch sollte sie nicht trennen. „Du hast Verlangen nach deinem Mann” wurde Eva gesagt; das entsprach ihrer natürlichen Neigung. Deshalb verurteilt Paulus diejenigen, „die den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen vertauschen” (Römer 1:26).

Zusammengefasst belehrt uns der Schöpfungsbericht über die Natur des einen Fleisches und der sexuellen Ergänzung von Mann und Frau. Gott schuf die Frau aus der Seite des Mannes – sie wurden aus einem Fleisch erschaffen und ihnen wurde geboten, wieder ein Fleisch zu sein. Adams und Evas sexuelle Beziehung war sozusagen die Urform, der die ganze Menschheit folgen sollte.

Passagen in der Bibel bezüglich Homosexualität

Es gibt mehrere Passagen in der Bibel, die Homosexualität erwähnen oder davon handeln. Die folgenden Abschnitte untersuchen diese Passagen.

Genesis 19: Sodom und Gomorra

Die Geschichte von Sodom und Gomorra ist kurz und äußerst unbefriedigend, wenn man die Frage klären will, wie in biblischen Zeiten mit homosexuellem Verhalten umgegangen wurde. In alten Schriften wird die Vernichtung Sodoms verschieden begründet. Die Ursachen reichen von Hochmut bis zu Knabenmissbrauch. Trotzdem kann man Wichtiges aus dieser Geschichte lernen.

In Genesis 18 sagt der Herr zu Abraham über die kommende Zerstörung von Sodom und Gomorra „ihre Sünde, ja, die ist schwer” (Genesis 18:20). Was war die Sünde, oder noch wahrscheinlicher die Sünden, von Sodom und Gomorra, die zu ihrer Vernichtung führten? „Frühe Übersetzer … blieben über die Stadt Sodom sprachlos” und alles was uns die Bibel sagt, ist, dass ihr Sünde schwer war.[7]

Die eigenen Untersuchungen des Herrn mögen die Antwort liefern. „Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist” (Genesis 18:20,21). Darum erscheinen in Genesis 19 zwei Engel, die Ermittler des Herrn, im Hause von Lot in Sodom und bleiben bei ihm. Während sie dort sind, umstellen „die Männer von Sodom, Jung und Alt,” das Haus (Genesis 19:4) „Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Männer, die heute Abend zu dir gekommen sind? Heraus mit ihnen, wir wollen mit ihnen verkehren” (Genesis 19:5). Lot, der ihre bösen Absichten kennt, fleht die Männer an: „begeht doch nicht ein solches Verbrechen” (Genesis 19:6). Stattdessen bietet er an, seine Töchter herauszubringen „die noch keinen Mann erkannt haben. Dann tut mit ihnen, was euch gefällt. Nur jenen Männern tut nichts an; denn deshalb sind sie ja unter den Schutz meines Daches getreten” (Genesis 19:8). Die beiden Engel sehen die Schuld Sodoms bestätigt und ziehen Lot zu sich ins Haus und fordern ihn auf, mit seiner Familie zu fliehen. „Wir wollen nämlich diesen Ort vernichten, denn schwer ist die Klage, die über die Leute zum Herrn gedrungen ist. Der Herr hat uns geschickt, die Stadt zu vernichten” (Genesis 19:13). Lot und seine Familie fliehen, aber seine Frau wendet sich tragischerweise um. Dann „ließ der Herr auf Sodom und Gomorra Schwefel und Feuer regnen, vom Herrn, vom Himmel herab. Er vernichtete von Grund auf jene Städte und die ganze Gegend, auch alle Einwohner der Städte” (Genesis 19:24,25).

Das Schlüsselwort in dieser Erzählung, yadah, wird in der King James Übersetzung als „zu kennen” übersetzt. Es gibt verschiedene andere Übersetzungen u.a. „damit bekannt werden” (Authorized Version, Revised Standard Version), und „damit intim sein” (New Jewish Publication Society Version). Das ist die Hauptfrage: Wollten die Männer von Sodom mit den zwei Fremden bekannt werden, die ihre Stadt betreten hatten, oder wollten sie sexuellen Verkehr mit ihnen. Für diejenigen, die das erste glauben, ist die allgemeine Erklärung, dass die Sünde Sodoms darin bestand, dass sie nicht gastfreundlich waren. D. Sherwin Bailey ist einer der bekanntesten modernen Schreiber, der dies annimmt. John Boswell fasst die Theorie von Bailey wie folgt zusammen:

Lot brach die Sitte von Sodom (wo er selbst kein Bürger sondern nur ein Gast war), indem er unbekannte Gäste innerhalb der Stadtmauern am Abend bewirtete ohne eine Genehmigung von den Ältesten der Stadt einzuholen. Als die Männer von Sodom sich versammelten und forderten, dass die Fremden zu ihnen gebracht würden, auf dass sie „mit ihnen verkehren” könnten, meinten sie nichts anderes, als dass sie mit ihnen bekannt werden wollten. Die Stadt wurde also in der Folge nicht wegen sexueller Unmoral vernichtet, sondern wegen der Sünde der Ungastlichkeit.[8]

Tatsächlich ist mangelnde Gastfreundlichkeit eine verbreitete Erklärung für die Zerstörung Sodoms, sowohl in neuzeitlichen als auch in alten Schriften.[9] Kugel erwähnt in seinem Kommentar, dass es keine kleine Sache war, geizig oder ungastlich zu sein, besonders Fremden gegenüber. In alten Zeiten war dies eine besonders schwere Verfehlung.[10]

Das hebräische Wort für yadah, so argumentieren die Verfechter der Ungastlichkeits-Theorie, bedeutet wörtlich „zu kennen” oder „damit bekannt zu werden”, und so, wie es von den Männer von Sodom benutzt wurde keine sexuelle Nebenbedeutung. „Wenn die hebräische Bibel sich auf homosexuellen Geschlechtsverkehr oder Sodomie bezieht, benutzt sie das Wort shakabh, was in dieser Geschichte nicht vorkommt.[11].

Shakabh wird übersetzt mit „jemandem beiwohnen” wie das Levitische Verbot, dass ein Mann keinem anderen Mann „beiwohnen” darf.

Es ist auch bemerkenswert, dass die Septuaginta (die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel, die von den Juden zu Christi Zeiten gebraucht wurde) dieser Passage nichts anderes beimisst, als „mit jemandem bekannt zu werden” (suggenometha autois). Dies steht in einem scharfen Gegensatz zu den Verben, die die Septuaginta im Hinblick auf Lots Töchter gebraucht (egnosan, khresasthe) , die ganz klar eine sexuelle Handlung kennzeichnen.[12]

Diejenigen, die der Ungastlichkeits-Theorie anhängen, stellen fest, dass die Bibel yadah 943 mal gebraucht, wovon nur zehn Verwendungen eine klare sexuelle Nebenbedeutung haben.[13]

Für diejenigen, denen der Gedanke abwegig erscheint, dass Ungastlichkeit eine ausreichende Schlechtigkeit für eine derartige Strafe gewesen sein könnte, schreibt ein Verfasser:

In der alten hebräischen Welt war Gastlichkeit nicht eine Frage der Entscheidungsfreiheit sondern eine heilige Pflicht. Das hatte damit zu tun, dass Reisen zwischen den Städten gefährlich und oft lebensbedrohlich waren (siehe Exodus 22:20; Lev. 19:33,34, verglichen mit Matth. 25:35,38 und 43). In diesem Licht betrachtet, wäre jegliche schlechte Behandlung von Lots Gästen von den ursprünglichen Lesern als eine schwere Sünde gegen die Verpflichtung zur Gastfreundlichkeit angesehen worden (Deut. 23:3-5).[14]

Der frühe christliche Schreiber Clemens, der einen Aspekt Richtung Gastfreundlichkeit in dieser Geschichte sieht, schreibt, dass Lot gerettet wurde, „aufgrund seiner Gastfreundlichkeit und Frömmigkeit.”[15]

Der Text kann gleichermaßen das Ungastlichkeitsargument unterstützen. Als Lot die Annäherungsversuche der Männer abwehrt, sind sie aufgebracht, weil Lot selbst „nur als Gast” kam und jetzt die Menschen von Sodom richtet. Lot fleht auch die Männer an „begeht doch nicht ein solches Verbrechen” und lasst die Engel in Ruhe, „denn deshalb sind sie ja unter den Schutz meines Daches getreten”(Genesis 19:8). Einige gehen sogar davon aus, dass Lot und seine Gäste im Unrecht waren, weil die Besucher „indem sie sich nicht in der Stadt anmeldeten … unter nahezu allen Umständen als eine mögliche Bedrohung der Stadt” angesehen worden wären.[16]

Einige sagen auch, dass Jesus selbst gesagt hätte, dass die Sünde Sodoms die Ungastlichkeit gewesen wäre, als er seinen Jüngern sagte: „Wenn man euch aber in einem Haus oder in einer Stadt nicht aufnimmt… Dem Gebiet von Sodom und Gomorra wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt” (Matthäus 10:14,15).

Die Ungastlichkeits-Theorie enthält jedoch viele Mängel.[17] Auch wenn wir davon ausgehen würden, dass Sodoms Sünde die Ungastlichkeit war, erhebt sich die Frage, ob die sexuellen Begierden, die gegen Lots Gäste gehegt wurden, nicht in großem Maße Ungastlichkeit darstellen würden. Darüber hinaus lässt sich im Zusammenhang mit der Zerstörung von Sodom und Gomorra der Schluss ableiten, dass ihre Sünden zumindest die Homosexualität einschlossen. Als Lot entscheidet, sich in Sodom niederzulassen, wird in Genesis 13:13 berichtet: „Die Leute von Sodom aber waren sehr böse und sündigten schwer gegen den Herrn” (in der King James Bibel heißt es „Männer” – Anm. d. Übers.) [18] – und es waren die Männer der Stadt, Alt und Jung, heißt es, die Lots Haus bedrängen.[19]

Wesentlicher ist, dass die Geschichte nicht die mögliche Auslegung zulässt, dass die Männer nur die Bekanntschaft von Lots Gästen machen wollten.[20] Lot sieht deutlich einen verschlagenen Zweck in ihrem Kommen. Darum ist seine unmittelbare Reaktion die Bitte: „begeht doch nicht ein solches Verbrechen”. Indem Lot das Wort yadah in Bezug auf seine Töchter verwendet „die noch keinen Mann erkannt haben” zeigt er deutlich, dass er sexuelle Beweggründe hinter der Forderung der Männer sah. Lots Hinweis, dass seine Töchter noch keinen Mann erkannt haben, würde keinen Sinn ergeben, wenn wir das vorangegangene yadah so auslegen würde, wie es die Ungastlichkeits-Theorie andeutet. Zusätzlich wird das hebräische Wort yadah bei zahlreichen Begebenheiten in der Bibel in der Bedeutung von sexuellen Handlungen benutzt.[21] Außerdem gibt es diese Umschreibung nicht nur bei den Israeliten. „Das ägyptische Wort rh (zu kennen) hat häufig eine sexuelle Nebenbedeutung. Das ugaritische yd kann auch in einem sexuellen Sinn verwandt werden.”[22]

In Richter 19:22-30 gibt es eine Parallele zu der Geschichte von Lot und seinen Besuchern. Hier umringten einige Männer aus der Stadt, übles Gesindel, ein Haus und sagten zu dem alten Mann, dem Besitzer des Hauses: Bring den Mann heraus, der in dein Haus gekommen ist; wir wollen unseren Mutwillen (yadah) mit ihm treiben. Der Mann antwortet auch: „so etwas Schlimmes dürft ihr nicht tun. Dieser Mann ist als Gast in mein Haus gekommen, darum dürft ihr keine solche Schandtat begehen” (Richter 19:23). Seltsamerweise bietet dieser Mann den Männern auch seine Tochter (und seine Nebenfrau) an: „ihr könnt … mit ihnen tun, was euch gefällt. Aber an diesem Mann dürft ihr keine solche Schandtat begehen” (Richter 19:24). Aus der Antwort des Mannes und seiner Bitte: „dürft ihr keine solche Schandtat begehen”, geht klar hervor, dass das hebräische yadah eine klare sexuelle Bedeutung in diesen Passagen hat. Was wäre daran Schandtat, wenn man nur die Bekanntschaft eines Gastes machen wollte? In Vers 25 heißt es, dass er ihnen seine Tochter (Einheitsübersetzung: Nebenfrau – Anm. d. Übers.) hinausbrachte und „sie missbrauchten sie”. Ein ganz klarer sexueller Bezug. Wie auch in der Geschichte von Sodom waren auch diese Männer ganz klar ungastlich, aber Ungastlichkeit und ihre sexuellen Begierden schließen sich in diesen Geschichten nicht gegenseitig aus.

Schlussendlich ist die Annahme, das die Septuaginta in Genesis 19:5 keine sexuelle Nebenbedeutung hat, wahrscheinlich falsch. Das griechische Wort syngenometha kommt selten in der Septuaginta vor. Außer in der Geschichte von Sodom kommt es nur noch in Genesis 39:10 vor, wo die Geschichte von Joseph und Potiphars Frau erzählt wird.[23] Joseph lehnt ab „bei ihr zu schlafen”, weil das eine Sünde gegen Gott wäre (Genesis 39:10). Der Satz in der Septuaginta ist syngenometha, das gleiche Wort, das die Septuaginta in der Geschichte von Sodom verwendet.[24] „Es scheint unmöglich zu sein”, die Geschichte von Joseph und Potiphars Frau zu lesen „und zu glauben, dass es hier um Gastfreundschaft geht; darum, nur Bekanntschaft zu schliessen.”[25] Das gleiche Verb, syngenometha „wird dreimal für Geschlechtsverkehr in der apokryphischen Literatur verwandt … in Xenophons Anabasis… in Platos Republik … und in Herodots Bericht von einem Komplott, wo einem Dieb eine Falle gestellt wird, indem eine Frau mit ihm ins Bett geht.”[26]

Andere haben die Sünde Sodoms als Homosexualität verstanden. Im Testament von Naphtali 3:4 drängt der Autor seine Kinder, die Ordnung der Natur zu achten, „auf dass ihr nicht werdet wie Sodom, die die Ordnung der Natur vertauschten.”[27] Augustinus schreibt in der Stadt Gottes 16:30, dass die „unreligiöse Stadt zerstört wurde, weil die Unzucht unter Männern so üblich geworden war wie andere Dinge, die vor dem Gesetz zulässig waren.”[28] Schließlich ist es wichtig, daran zu denken, dass die Engel nach Sodom gesandt wurden, um die Schlechtigkeit zu untersuchen, zu „sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht”, wie der Herr zu Abraham sagt und nachdem der von der Schuld der Stadt überzeugt ist, fordern sie Lot auf zu fliehen, bevor sie die Stadt zerstören. Unabhängig davon, wie ernst Ungastlichkeit im alten Israel angesehen wurde, müssen wir fragen, ob der Herr so eine Zerstörung über Sodom gebracht hätte, nur weil die Menschen dort schlechte Gastgeber waren.

Es ist auch wichtig, festzuhalten, dass die Sünden Sodoms mehr umfassten als Homosexualität, was durch die Tatsache belegt ist, dass Abraham nicht mehr als zehn rechtschaffene Menschen dort finden konnte. Man könnte sogar von den Männern von Sodom, die das Haus Lots umringten, sagen, dass ihre vorrangige Sünde nicht Homosexualität an sich war, sondern versuchte Vergewaltigung – ganz sicher eine ungastliche Handlung.[29]

Besonders überzeugend ist Ezechiel, der uns sagt, dass die Schuld Sodoms darin bestand, dass „ihre Töchter hochmütig waren, dass sie im Überfluss zu essen hatten und in sorgloser Ruhe dahinlebten, ohne den Elenden und Armen zu helfen. Sie wurden hochmütig und begingen Gräueltaten vor meinen Augen. Darum habe ich sie verstoßen” (Ezechiel 16:49,50). Es mag auch eine Lehre in den Handlungen der Töchter Lots liegen, nachdem sie mit ihrem Vater geflohen waren. Nachdem sie sahen, dass sie ohne Mann waren, verschworen sie sich, ihren Vater betrunken zu machen und sich an den folgenden Nächten zu ihm zu legen „damit wir von unserem Vater Kinder bekommen” (Genesis 19:31,32).[30] Das verzerrte Verständnis von Moral und Sexualität der Töchter spiegelt vielleicht die moralische Umgebung wider, in der sie aufwuchsen.[31]

Frühe Schreiber stellen über die sexuelle Sünde hinaus weitere Gründe für den Untergang der Städte fest. Im 3. Makkabäer 2:5 wird die Vernichtung der „hochmütigen Sodomiten erwähnt. [32] In Weisheit 19:14 wird der Aspekt der Ungastlichkeit betont, weil die Sodomiten „die Unbekannten, die zu ihnen kamen, nicht aufnahmen”[33]. Josephus merkt an, dass die Sodomiten „maßlos stolz” waren, „unverschämt gegen Menschen” und „Fremde hassten”, und dass Gott „entschied, sie für ihren Hochmut zu strafen.”[34] Aber die sexuelle Zügellosigkeit scheint die erste Stelle bei allen Erklärungen einzunehmen.

Für einige Übersetzer besteht die Sünde Sodoms deutlich in homosexuellen Praktiken … andere Übersetzer schreiben den Sodomiten andere heterosexuelle Sünden zu, besonders Ehebruch und Unzucht … Demzufolge wurde Sodom allgemein als ein Ort sexueller Lasterhaftigkeit bekannt.[35]

Im Buch der Jubiläen 16:5,6 und 20:5 steht, dass Gott Sodom und Gomorra vernichtete, weil sie „schlecht und außerordentlich sündhaft waren, indem sie sich selbst besudelten und Unzucht im Fleisch begingen und Unreinheit auf der Erde bewirkten,” und dass Abraham seinen Nachkommen sagte, dass Sodom verdammt wurde wegen „sexueller Unreinheit, Unsauberkeit und wegen ihrer Verdorbenheit untereinander.”[36] Philo verdammt Sodom wegen Völlerei und sinnlicher Begierden … Zügellosigkeit und weil sie das Naturgesetz mit Füßen traten, indem sie starken Getränken, üppigen Speisen und verbotenen Formen des Geschlechtsverkehrs frönten. Nicht nur in ihrer wahnsinnigen Begierde nach Frauen … sondern Männer bestiegen Männern ohne Achtung vor der Natur des Geschlechtes.”[37]

Es gibt eine interessante Passage im Midrasch (Gen. Rabba 1:7), die möglicherweise die beste Aussage zum Verständnis der Geschichte in Genesis 19 liefert: Dort heißt es: „Die Sodomiten vereinbarten untereinander, dass sie jeden Fremden zur Sodomie zwingen würden und ihn seines Geldes berauben.” Wenn dies stimmt, hätte Lot sicher davon gewusst und damit würde seine Aussage „begeht doch nicht ein solches Verbrechen” mehr Sinn ergeben. Dies würde auch Lots Reaktion erklären, als die Engel anfänglich ablehnten, in sein Haus zu kommen: „Nein, sagten sie, wir wollen im Freien übernachten. Er redete ihnen aber so lange zu, bis sie mitgingen und bei ihm einkehrten” (Genesis 19:2,3). Vielleicht war dies eine interkulturelle Tradition, die auch die Geschichte der Männer von Gibea in Richter erklären würde. Dies würde auch erklären, warum der Herr Gesandte dort hinschickte, um Erkundungen anzustellen. Diese Ermittler, die sahen, dass die Männer von Sodom sie „erkennen” wollten, fanden die Anschuldigungen, die vor den Herrn gekommen waren, bestätigt und hatten Grund die Stadt zu zerstören.[38]

Trotzdem liefert die Geschichte keine absolute moralische Klärung, ganz besonders nicht für einen Leser, der kein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist, und der sich fragen mag, was für eine moralische Aussage aus einer Geschichte zu ziehen ist, wo die Handlungen der Männer von Sodom verdammt werden, aber wo Lot, der den Männern seine jungfräulichen Töchter anbietet, damit sie mit ihnen machen, was ihnen gefällt, bewahrt bleibt. Natürlich bleiben die Töchter in dem biblischen Bericht bewahrt. Nun könnte man argumentieren, dass Lot dies gewusst hätte, weil er wusste, dass die Männer auf homosexuelle Handlungen aus waren. Weiterhin umfasste Sodoms Schuld eindeutig mehr als Homosexualität. Jedoch ist der deutlichste Schluss aus diesem Text, dass die Ermittler des Herrn große Schlechtigkeit entdeckten, einschließlich der homosexuellen Begierden der Männer der Stadt, und deshalb deren Zerstörung verfügten.

Levitikus 18:22 und 20:13

Die deutlichsten Verurteilungen der Homosexualität – zumindestens männlicher – finden sich in Levitikus wo steht: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel” (Levitikus 18:22) und „Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft. Sie haben eine schändliche Tat begangen, ihr Blut soll auf sie kommen” (Levitikus 20:13). Trotzdem ist es eine berechtigte Frage, ob Levitikus noch von irgendeinem Belang ist und wenn ja, ob wir aus den Vorschriften einige als gültig herausgreifen können. Lagen diesen besonderen Vorschriften ewige Grundsätze zugrunde, oder entsprangen sie nur den Lebensumständen der damaligen Israeliten – als Teil des befristeten zeremoniellen Gesetzes oder als Teil des ewigen Evangeliums?

Es ist wichtig, sich einzugestehen, dass es keine sprachwissenschaftlichen Ausreden zu den Aussagen dieser Verse gibt. Es sind klare Vorschriften bezüglich des Geschlechtsverkehrs zwischen zwei Männern, genauer gesagt zwischen allen Männern. Das hebräische Wort zakar bedeutet „männlich” und schließt alle Personen dieses Geschlechtes ein, Jung und Alt. Weder Mensch noch Menschheit würde eine richtige Übersetzung ergeben. Miskebe issa ist auch nicht zweideutig – es ist deutlich ein Verbot des Geschlechtsverkehrs, obwohl einige argumentiert haben, dass es sich nicht auf andere sexuelle Aktivitäten bezieht. Aber wie ein Autor festgestellt hat: „Die Frage ist hier nicht, wie sexueller Verkehr zwischen Männern praktiziert werden soll, sondern dass er unter keinen Umständen stattfinden darf. Dies ist eindeutig durch die Verwendung des Imperatives… Der Gesetzgeber erwartet von seiner Zuhörerschaft, dass sie versteht, dass gleichgeschlechtlicher Verkehr strengstens verboten ist.”[39] Deshalb hat Israel im Gegensatz zu seinen Nachbarn alle Formen von Geschlechtsverkehr zwischen zwei Männern verboten. „Anders gesagt verurteilt das Alte Testament jede Art von homosexuellem Geschlechtsverkehr, nicht nur erzwungenen, wie es die Assyrer taten oder mit Jugendlichen (wie die Ägypter). Homosexueller Geschlechtsverkehr unter Zustimmung beider Parteien wird gleichermaßen verurteilt.”[40]

Trotzdem muss man das Levitische Gesetz auch im Zusammenhang betrachten. Das Verbot, dass ein Mann nicht bei einem Mann liegen darf, gehört zu den Geboten, das Geschlechtsverkehr mit einer Frau während ihrer Menstruation verbietet (Levitikus 20:18), dass Männer ihre Bärte nicht stutzen sollen (Levitikus 19:27), dass nichts mit Blut gegessen werden soll (Levitikus 19:26), sowie zahlreiche andere Verbote, die nicht in die heutigen religiösen Praktiken übernommen wurden. Daher muss man Levitikus als Ganzes annehmen oder als Ganzes ablehnen oder es muss ein angemessenes Mittel geben, mit dem man aus den verschiedenen Verboten diejenigen auswählen kann, die heute noch maßgeblich sind.

Die Levitischen Verbote von homosexuellem Verhalten finden sich im sogenannten „Heiligkeitsgesetz”, das aus den Kapiteln 17 bis 26 besteht. Obwohl Levitikus 20 in großem Maße die Vorschriften aus Kapitel 18 wiederholt, gibt es doch Unterschiede. Levitikus 20:13 enthält eine auf den Fall bezogene (kasuistische) Stilform. Der untergeordnete Halbsatz „schläft einer mit einem Mann” zieht den Haupt-Satzteil nach sich „dann haben sie eine Gräueltat begangen”. Bei dieser Stilform folgt die Strafe unmittelbar auf die Vorschrift. Im Falle von Levitikus 20:13 ist die Strafe der Tod. Die Stilform in Levitikus 18:22 ist bestimmt (apodiktisch). Ein Beispiel dafür sind die Zehn Gebote: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen”. Die Strafe in Levitikus 18 wird nicht unmittelbar nach der Vorschrift genannt, sondern erst in einem späteren Vers und umfasst die Strafe für alle Gräueltaten, die in dem Kapitel genannt werden. Die Vorschriften in Kapitel 18 sehen als karet (Strafe) vor, dass „Alle nämlich, die irgendeine diese Gräueltaten begehen, aus der Mitte des Volkes ausgemerzt (werden)” (Levitikus 18:29). Einige Verfasser haben auf diesen Unterschieden basierend argumentiert, dass die auf den Fall bezogene (kasuistische) Stilform niemals im Zusammenhang mit rituellen Sünden gebraucht wurde. Die ist jedoch deutlich nicht der Fall, da in Exodus die kasuistische und die apodiktische Stilform austauschbar sind. Es gibt eine wichtige Unterscheidung zwischen den beiden Versen: Levitikus 20:13 nennt die Todesstrafe für beide Tatbeteiligte, während Levitikus 18:22 dies offen lässt.

Weiterhin beginnt das Kapitel 18 mit einer Warnung an die Israeliten: „Ihr sollt nicht tun, was man in Ägypten tut, wo ihr gewohnt habt; ihr sollt nicht tun, was man in Kanaan tut, wohin ich euch führe. Ihre Bräuche sollt ihr nicht befolgen” (Levitikus 18:3). Israel soll ein Volk sein, dass sich von seinen Nachbarn abhebt und sie sollen sich nicht an der sie umgebenden Schlechtigkeit beteiligen, sondern: „Meine Vorschriften sollt ihr einhalten und meine Satzungen sollt ihr beachten und befolgen. Ich bin der Herr, euer Gott” (Levitikus 18:4). Kapitel 20 beginnt mit dem Anliegen, dass die Israeliten ihre Kinder nicht dem Moloch geben sollen und dann folgt das Gebot: „Ihr sollt euch heiligen, um heilig zu sein; denn ich bin der Herr, euer Gott. Ihr sollt auf meine Satzungen achten und sie befolgen. Ich bin der Herr, der euch heiligt” (Levitikus 20:7,8). Auf diese Verse weisen allgemein diejenigen hin, die argumentieren, dass Levitikus nicht die Homosexualität an sich verurteilt, sondern sich auf das götzendienerische Umfeld Israels bezieht.

Die hauptsächliche Auseinandersetzung dreht sich um das Wort „Gräueltat”. Beide Verse in Levitikus beschreiben das Verhalten, um das es geht als „Gräueltat” von dem hebräischen Wort toebah. Boswell argumentiert, dass dieses Wort „nicht allgemein etwas wirklich Böses bedeutet, sondern etwas, das vom Ritus her unrein für die Juden ist, wie das Essen von Schweinefleisch oder Geschlechtsverkehr während der Menstruation, was beides in diesem Kapitel verboten wird. Es wird durchgängig im Alten Testament verwandt, um diejenigen Jüdischen Sünden zu bezeichnen, die mit ethnischer Verschmutzung oder Götzendienst zu tun haben.”[41] Boswells schließt daraus, dass der Gesetzgeber eher kultische Tempelprostitution verbietet, als gleichgeschlechtlichen Verkehr im Allgemeinen.[42]

Frederick Ide argumentiert, dass es nicht um sexuelle Handlungen an sich geht, sondern um die Tatsache, dass sie zu Götzendienst führen könnten. „Bei dem Einwand gegen Homosexualität (in Levitikus) handelt es sich nicht um einen Einwand gegen Geschlechtsverkehr zwischen zwei Männern im Allgemeinen, sondern darum, dass die homosexuelle Handlung von einigen als eine Form des Abfalls angesehen wurde.”[43] Die Hebräer sahen sich selbst als von „Heiden” umgeben, argumentiert Ide und wollten jegliches Tun vermeiden, wodurch sie mit ihren Nachbarn hätten in Verbindung gebracht werden können, einschließlich der Homosexualität und religiöser Praktiken, die Homosexualität einschlossen, wie auch die kultische Prostitution, die „verworfen wurde, um die Hebräer noch mehr von ihren Nachbarn abzuheben.”[44] Das hebräische Wort für Gräueltaten toebah „sollte genauer als ‚Götzendienst’ übersetzt werden und wird wiederholt durch die Tora und das Alte Testament hindurch verwandt, um die hebräischen Sünden zu bezeichnen, die mit ethnischer Verunreinigung oder Götzendienst zu tun haben.”[45]

G. J. Wenham lehnt dieses Argument ab. Angenommen, dass die Israeliten, anders als ihre Nachbarn alle Formen des homosexuellen Verkehrs ablehnten, einschließlich dessen von nicht verwandten Erwachsenen, die in beiderseitigem Einverständnis handeln, so wäre „dies als eine israelitische Reaktion gegen die Gebräuche ihrer Nachbarn zu beschreiben zu einfach, denn so eine Erklärung erklärt gar nichts. Israel lehnte nicht alle religiösen und moralischen Praktiken der Kanaaniter ab.”[46] Wenham schreibt die Unterschiede dem Verständnis der Israeliten von der Schöpfung zu, denn die grundlegenden Prinzipien des alttestamentarischen Gesetzes finden sich in den ersten Kapitel von Genesis… Als es in der Genesis um die Erschaffung des Menschen geht, heißt es, dass Gott vorsätzlich die Menschheit in zwei Geschlechtern erschuf, damit sie ‚fruchtbar seien und sich mehren sollten.’ Dies ist das erste Gebot, das dem Menschen gegeben wurde und es wird nach der Flut wiederholt; im Gegensatz zu den Göttern Babylons, die verschiedene Vorkehrungen einführten, um die Vermehrung des Menschen zu beschneiden… Es scheint deshalb sehr wahrscheinlich, dass Israels Ablehnung des homosexuellen Verkehrs aus der Schöpfungslehre stammt … Paulus’ Bemerkung, dass homosexuelle Handlungen „wider die Natur” sind, kommt daher dem Denken der Schreiber des Alten Testaments sehr nahe.[47]

Man sollte auch daran denken, dass Israel untereinander verwandt war. Die grundlegende Einheit war die Kleinfamilie. Die Ordnung für solch eine Gesellschaft ist mit zwei Hauptprinzipien im Schöpfungsbericht enthalten: Die Schöpfung von Mann und Frau als separate Wesen und ihre Zusammenführung mit dem Gebot, sich zu vermehren. Alle sexuellen Vergehen, die in Levitikus aufgeführt werden, brechen diese Ordnung. „Es ist nicht zufällig, dass das Gesetz gegen Homosexualität in den Zusammenhang mit den Gesetzen über Inzest und Sodomie gestellt wurde… denn alle verbieten sexuelle Beziehungen, die gegen das Prinzip der Ordnung gerichtet sind: Inzest verstößt gegen die Ordnung der Verwandschaft, Homosexualität verstösst gegen die Ordnung des Geschlechtes… und Sodomie verstößt gegen die Ordnung der Art.”[48]

Wenn man Homosexualität im Zusammenhang mit dem Schöpfungsbericht betrachtet, können die Verbote in Levitikus in der Tat als ewige Verbote angesehen werden, denn sie verstößt gegen die Ordnung und die Natur Gottes. Paulus’ Verbote von homosexuellen Handlungen im Korintherbrief schließen die Levitischen Verbote ein, wie folgend dargelegt, unter der Annahme, dass diese Passagen beständige Bedeutung haben.

David Greenberg argumentiert, dass „es für die Schreiber von Levitikus ohne Belang war, einen Unterschied zwischen wirklich bösen Handlungen und rituellen Übertretungen zu machen, denn für sie war alles, was von Jahwe verboten, falsch. Dass Geschlechtsverkehr mit einer Frau während der Menstruation gleichermaßen mit Homosexualität als Gräueltat eingestuft wurde, ist nicht ein Hinweis darauf, dass das letztere Delikt als geringfügig angesehen wurde, sondern dass das vorangegangene als außerordentlich schwer angesehen wurde. Wie einfältig dies zeitgenössischen Rationalisten auch erscheinen mag, so werden doch bei vielen primitiven Völkern diese Tabus im Zusammenhang mit der Menstruation sehr ernst genommen.[49]

Was für eine Bedeutung man Levitikus für die Neuzeit auch immer einräumt, es ist eine bekannte Tatsache, dass das Levitische Gesetz jeglichen Geschlechtsverkehr unter Männern unabhängig von deren Motiven verbot und hatte die Todesstrafe für beide Beteiligten zur Folge. Damit steht dieses Verbot auf gleicher Ebene mit Ehebruch (Levitikus 20:10) und der schlimmsten Form des Inzests (Levitikus 20:11,12). Wenn man im Gegensatz dazu das Assyrische Gesetz von etwa der gleichen Zeit nimmt, so wurde nur der offensive Mann bestraft und nicht der passive Partner.[50]

Ikonographische Belege von 3000 v. Chr. bis zur christlichen Ära lassen vermuten, dass Homosexualität in Mesopotamien praktiziert wurde. Der Hittitologe H.A. Hoffner erklärt, dass Homosexualität auch bei den Hittitern „nicht ungesetzlich” war.[51] Unabhängig von neuzeitlichen Bestrebungen in die eine oder andere Richtung, entnehmen wir Levitikus die deutliche Aussage, dass die alten Israeliten homosexuelle Beziehungen als eine gräuelhafte Sünde ansahen, die die Todesstrafe verdiente. Während andere Kulturen bestimmte Formen von Homosexualität verboten, zum Beispiel mit Knaben, so stand Israel offensichtlich mit seiner Verurteilung jeglicher Homosexualität allein da.[52] Möglicherweise kann man die Gültigkeit dieser Bedeutung bestreiten, aber auf keinen Fall lässt sich bestreiten, dass diese Passagen eindeutig sexuelle Beziehungen zwischen Männern verurteilen.

1. Korinther 6:9,10

In seinem ersten Brief an die Korinther verurteilt Paulus beide Beteiligten an einer homosexuellen Handlung so wie im Levitischen Gesetz, und sagt, dass sie das Reich Gottes nicht ererben werden.

Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht ererben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder … werden das Reich Gottes ererben.

Um diese Passage ganz zu verstehen, ist es wichtig, die von Paulus verwandten Begriffe so zu verstehen, wie die Heiligen in Korinth sie verstanden hätten. Paulus geht es darum, das Gesetz Gottes in Gegensatz zu dem Gesetz und den Gebräuchen Roms zu stellen, indem er klarstellt, dass alle homosexuellen Handlungen sündig sind und dass alle, die sich daran beteiligen, des Reiches Gottes nicht würdig sind.

Zahlreiche Theorien wurden entwickelt, um Paulus’ Aussage an die Korinther anders zu deuten. Der Hauptpunkt dieser Theorien ist, dass Paulus lediglich bestimmte Formen der Homosexualität verurteilte, wie Prostitution des Kultes wegen oder Geschlechtsverkehr mit Knaben, oder dass er lüsterne homosexuelle Handlungen verurteilte, nicht aber liebevolle. Frederick Ide argumentiert zum Beispiel, dass Paulus gegen diejenigen predigte, die „ihren Selbstwert” aufgaben, nämlich die Lustknaben, die sich missbrauchen lassen und auf die in der römischen Gesellschaft herabgesehen wurde und diejenigen, die sie missbrauchen „für einen kurzen und gefühllosen Augenblick des körperlichen Orgasmus”[53] Die Sünde besteht nach Ide also im Beweggrund und nicht in der Handlung. Boswell andererseits argumentiert, dass Paulus männliche Prostitution verurteilt,[54] während Robin Scroggs argumentiert, dass Paulus sich nur auf Geschlechtsverkehr mit Knaben bezieht.[55] Bei der Zusammenfassung der Argumente schreibt Ralph Blair: „Man sollte nicht unkritisch annehmen, dass die Aussage im Korinther ein Beweis gegen jegliche Homosexualität oder gegen jegliche homosexuellen Handlungen wäre. Natürlich kann homosexuelles Verhalten pervers, sündig und ausbeuterisch werden, wie es auch auf heterosexuelle Handlungen zutrifft, aber das ist nicht das gleiche, als wenn man die eine oder andere sexuelle Vorliebe ablehnt oder bestimmte Handlungen als sündig ansieht.[56]

Wie sich zeigen wird, basieren alle diese Theorien auf Annahmen und Gedankensprüngen, die nicht aufrechterhalten werden können.

Die King James Fassung des 1. Korinthers 6:9 sagt aus, dass (1) weder der „Lustknabe” noch (2) der „Knabenschänder” das Reich Gottes ererben werden. Die griechischen Worte lauten malakoi und arsenokoitai. Malakoi bedeutet wörtlich „weich” oder „die Weichen”. An anderer Stelle im Neuen Testament wird es genau in dieser unschuldigen Bedeutung verwandt (siehe King James Fassung Matthäus 11:8 und Lukas 7:25). Das Griechisch-Englisch Lexikon des Neuen Testaments und anderer früh-christlicher Schriften beschreibt malakos als „weich, unmännlich, Lustknabe, Männer und Knaben, die sich homosexuell missbrauchen lassen.”[57]

Arsenokoitai besteht aus zwei Worten, arseno was „männlich” bedeutet und koitai, was wörtlich „Bett” bedeutet und was manchmal als eine Umschreibung für Geschlechtsverkehr benutzt wird, wie in Numeri 5:20 und in dem neuzeitlichen Wort coitus. Arsenokoitai kommt zweimal in den Schriften vor, einmal hier im Korinther und zum zweiten Mal wieder bei Paulus im 1. Timotheus 1:10 in der gleichen Bedeutung. Tatsächlich ist Paulus der erste, der dieses Wort benutzt und manche meinen, dass er es erfunden hat. Wie wir sehen werden, benutzt Paulus diese beiden Worte, malakoi und arsenokoitai um den „passiven und aktiven Partner eines homosexuellen Geschlechtsverkehrs zu beschreiben, da in der römischen Gesellschaft, wie auch in der römischen Literatur dieser Unterschied beachtet wurde.”[58]

Um diese Worte zu verstehen, ist es wichtig zu begreifen, wie die Zuhörerschaft von Paulus diese Worte verstanden hätte. Das römische Gesetz, wie auch die römische Kultur machten zwei Unterschiede im Zusammenhang mit homosexuellen Handlungen und zwar jeweils zu Gunsten der gehobenen Bürgerschaft.[59] Erstens konnten römische Bürger mit nichtrömischen Bürgern Verkehr haben; tatsächlich wurden einige Sklaven nur zu diesem Zweck gehalten; während das römische Strafrecht Verkehr mit römischen Bürgern bestrafte. So gab es einmal einen Unterschied nach dem Bürgerrecht der Beteiligten: „Es gab etwas Heiliges um die Person eines römischen Bürgers”[60]

Der andere Unterschied, den das römische Gesetz machte, war zwischen dem „passiven”, nämlich dem unmännlichen, und dem „aktiven” Beteiligten.[61] Die römische Gesellschaft sah auf den passiven Beteiligten herab. Diese Unterschiede helfen zu verstehen, warum Paulus die Worte gebraucht. Paulus ächtet beide Aspekte der Homosexualität. Nur weil jemand römischer Bürger war, war damit nicht alles rechtens.

Malakos ist richtig als weich oder unmännlich übersetzt oder wie Paulus es meint „eine weiche Person.” Die Römer hatten das Wort aus dem Griechischen entlehnt; es ist ein „Lehnwort”. „Formen der Perversion (nach römischer Meinung) werden hauptsächlich Fremden zugeschrieben, und diese Perversionen können mit einem Fremdwort der entsprechenden Sprache beschrieben werden. Verschiedene lateinische Worte die Homosexualität betreffend haben einen griechischen Ursprung (pedico, pathicus, cinaedus, catamitus; cf. Malacus) … Aber die sexuellen Organe und das eigentliche sexuelle Verhalten zog keine Lehnworte nach sich.”[62] Darum drückt die römische Verwendung des Wortes malakos für den passiven Partner aus, dass auf diesen herabgesehen wurde. Das Wort ist außerdem männlich was „in dem Bedeutungsfeld der Sexualität kennzeichnend ist, weil ‚die Verwendung des Männlichen für eine weibliche Form außerordentlich eindringlich eine Unmännlichkeit des Betroffenen unterstellt.”[63]

Damit hätte Korinth deutlich unter malakoi den passiven Partner einer homosexuellen Handlung verstanden, einer Rolle, auf die, wie gesagt, herabgesehen wurde. Die römische Einstellung bezüglich der Homosexualität spiegelt „die Bedeutung der Männlichkeit in der römischen Kultur wider.”[64] Lucianos bestätigt zum Beispiel diese Haltung „als er in einem Dialog schreibt, dass es besser wäre, dass eine Frau in den Bereich der männlichen Liederlichkeit (Homosexualität) eindringen würde, ‚als dass der Adel des männlichen Geschlechts unmännlich würde und die Rolle einer Frau übernähme.’”[65] Plutarch benutzte auch das Wort malakoi, um den passiven Partner zu beschreiben,[66] und Periplectomenus brüstete sich damit, dass er „seine Dienste ‚in jeder Situation’ angeboten hätte und erklärte sich als der empfangende Homosexuelle, indem er die Begriffe cinaedus und malacus benutzte.”[67] Zusammengefasst benutzte Paulus mit dem Wort malakoi einen Begriff, mit dem die Zuhörer vertraut waren und dem sie den passiven Partner einer homosexuellen Handlung zuordneten. Wie Paulus sagt, sind solche Menschen nicht des Reiches Gottes würdig.

Hätte Paulus nur die „Unmännlichen” verurteilt, dann könnten wir vermuten, dass er auch nur die römische Haltung zur Homosexualität widerspiegelte, oder nur die Knabenliebe verurteilte, denn „die Weichen” waren häufig jüngere Knaben. Robin Scroggs argumentiert zum Beispiel, dass das Wort malakos „nahezu sicher die Vorstellung eines unmännlichen Lustknaben heraufbeschwören würde, wenn es in einem Zusammenhang mit Knabenliebe genannt würde.”[68] Es spricht allerdings nicht für Scroggs, dass der Zusammenhang bei Paulus nicht zulässt, dass er sich nur auf Knabenliebe bezieht.

Wie vorher beschrieben, ist Paulus der Erste von dem man weiß, dass er den Begriff arsenokoitai benutzt hat.[69] Wenn Paulus tatsächlich das Wort erfunden hat, was wollte er damit sagen? Obwohl man sich nicht sicher sein kann, findet sich die wahrscheinlichste Antwort auf diese Frage in der Septuaginta im Levitikus 20:13. Hier lautet es: kai hos an koimethe meta arsenos koiten gynaikos („Liegt einer in einem Bett mit einem Mann wie mit einer Frau”). Es fallen die beiden Worte arsenos (Die Septuaginta Form des hebräischen Wortes zakar oder „männlich”) und koiten auf, die Paulus verbindet, um daraus das Wort arsenokoiten zu bilden. Wenn dies tatsächlich die Wurzel von Paulus Satz ist, und dies scheint der wahrscheinlichste logische Schluss, dann können wir vermuten, dass Paulus das Gottesgesetz benutzte, wie es sich in Levitikus findet, um jeglichen homosexuellen Geschlechtsverkehr unter Männer zu verurteilen und damit den Korinthern einen Gegensatz zu dem römischen Gesetz und den römischen Gebräuchen schuf.

In gewissem Rahmen gestattete das römische Gesetz Homosexualität. Während man auf „die Weichen” oder die passiven Partner herabschaute und gleichzeitig den Verkehr mit römischen Bürgern verbot, waren homosexuelle Handlungen ansonsten ein akzeptierter Teil des Lebens. So galt für den römischen Bürger der Sinnspruch: „alles ist mir gesetzlich.” Aber für die Bürger des Reiches Gottes ist nicht alles gesetzlich. Dies erklärt, warum Paulus zwei verschiedene Begriffe benutzte, um Homosexuelle zu verurteilen. Für diejenigen, die Bürger des Reiches Gottes sein wollen, ist nicht alles gesetzlich und weder die malakos noch die arsenokotai werden das Reich Gottes ererben.

Römer 1:26,27

In Römer 1 findet sich die theologischste aller Passagen über Homosexualität. Während in Levitikus und im Korinther homosexuelles Verhalten nur unter einer Reihe anderer Sünden erwähnt wird, ohne dabei zu erklären, warum es sündig ist, liefert Römer 1 einen theologischen Hintergrund für die biblische Verurteilung von homosexuellem Verhalten.

„Ich schäme mich des Evangeliums nicht;” erklärt Paulus „Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart” (Römer 1:16,17). Aber es gibt auch diejenigen, die die Wahrheit kennen „Gott hat es ihnen offenbart” und trotzdem halten sie „die Wahrheit durch Ungerechtigkeit nieder” und handeln gegen die Ordnung Gottes (Römer 1:18-20). Wie wissen sie die Wahrheit? Sie wird in der Ordnung der Schöpfung Gottes offenbar. Durch diese Ordnung werden die „unsichtbaren Dinge” Gottes offenbar, so dass diejenigen, die die Ordnung Gottes ablehnen „unentschuldbar” sind.

In der zweiten Hälfte von Römer 1 gibt es eine theologische Diskussion, was mit denen geschieht, die diese geschaffene Ordnung ablehnen „Sie vertauschen die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an … anstelle des Schöpfers” (Römer 1:25). Wie Paulus sagt, gibt es eine geschaffene Ordnung aller Dinge, die die Herrlichkeit Gottes offenbart und diejenigen, die diese Ordnung ablehnen, werden „durch die Begierden ihres Herzens der Unreinheit” ausgeliefert, „sodass sie ihren Leib durch ihr eigenes Tun entehrten” (Römer 1:24). Dann folgen die hauptsächlichen Abschnitte über Homosexualität.

Aus diesem Grund (weil sie die erschaffene Ordnung Gottes ablehnten und die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten) lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung (Römer 1:26,27).

Richard Hays, Theologe an der Duke Universität schreibt, dass Paulus ausdrücklich auf homosexuellen Geschlechtsverkehr hinweist, weil er ihn als ein drastisches Bild dafür ansieht, wie menschliche Verkommenheit Gottes erschaffene Ordnung verfälscht … Wenn Menschen homosexuelle Handlungen begehen, dann zeigen sie damit äußerlich ihre innere geistige Einstellung: sie lehnen die Gestalt des Schöpfers ab.”[70]

Nach Paulus schließt die Homosexualität die Haltung ein, dass die Wahrheit Gottes in eine Lüge verwandelt wird und dass das Geschöpf mehr verehrt wird als der Schöpfer. Sie werden „entehrenden Leidenschaften” ausgeliefert und indem sie die Schöpfung ehren, handeln sie nicht nur gegen die Natur, „sondern stimmen bereitwillig auch denen zu, die so handeln” (Römer 1:32). Dies ist die wahre Verbindung zwischen der Sünde der Homosexualität und der Sünde des Götzendienstes. Homosexualität ist in Wirklichkeit eine götzendienerische Handlung. Es ist wichtig festzustellen, dass Paulus ausdrücklich in diesen Passagen die Frauen verurteilt, die ebenso den „natürlichen Verkehr” vertauschen. Lesbische Liebe ist ebenso wie homosexuelles Verhalten unter Männern eine Ablehnung der erschaffenen Ordnung Gottes.

Trotzdem gibt es, wie auch in den vorherigen Passagen besprochen, alles andere als einen Mangel an Literatur, die zu erklären versucht, dass Paulus im Römer die Homosexualität an sich nicht verurteilt, sondern lediglich bestimmtes sexuelles Verhalten. Boswell argumentiert zum Beispiel, dass mit dem von Paulus erwähnten „natürlichen Verkehr” hauptsächlich die sexuelle Vorliebe eines Menschen gemeint ist. Damit würde Paulus nicht die Homosexuellen verurteilen, sondern „homosexuelle Handlungen die von offensichtlich heterosexuellen Menschen begangen würden.”[71] Allerdings erklärt Boswell nicht, wieso ein heterosexueller Mensch „in Begierde” für einen Menschen gleichen Geschlechts entbrennen sollte. Nach Boswell verurteilt Paulus also diejenigen, die ihre natürliche Veranlagung aufgeben. Ide glaubt, dass man den natürlichen Verkehr aufgibt, wenn er oder sie in „wollüstiger, auf sich selbst konzentrierten Weise, nur zur körperlichen Befriedigung” Geschlechtsverkehr hat. „Die Handlung, die nur dem Selbstzweck dient, wird verurteilt – nicht das Individuum”.[72] Andere legen nahe, dass Paulus die Homosexualität verurteilt, weil er die Verbindung zu den Heiden darin sieht.

Damit führe die Homosexualität nicht von Christus fort, sondern von der Gemeinschaft der Christen. Sie wäre nur insofern eine Bedrohung für Christen, da die Gläubigen zu einer heidnischen Lehre geführt werden könnten …Wenn ein Christ gleichzeitig ein Homosexueller sein kann und umgekehrt, ohne den Glauben und das Bewusstsein der Gemeinschaft zu verlieren … dann wäre dieser Mensch nur ein Teil der Vielfältigkeit von Gottes Herrlichkeit.[73]

Diese Erklärungen scheinen alle etwas aus der Passage herauszulesen, was nicht darin enthalten ist.

Die Hauptdiskussion in dieser Passage dreht sich darum, wie Paulus die Worte „natürlich” (physikos) und „Natur” (physis oder phusin) gebraucht. Paulus beschreibt diejenigen, die der Begierde nachgaben so dass „sie ihren Leib durch ihr eigenes Tun entehrten” und dass „sie die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten, sie beteten das Geschöpf an, anstelle des Schöpfers”. Darum lieferte Gott sie pathe atimas („entehrenden Leidenschaften”) aus. Sogar die Frauen vertauschten den physiken chresin (natürlichen Verkehr). Ebenso gaben die Männer den physiken chresin (natürlichen Verkehr) mit der Frau auf und trieben aschemosynen (Unzucht) miteinander.

Boswell argumentiert, dass para phusin sich auf das „persönliche Wesen der infragestehenden Heiden bezieht”. Es anders zu verstehen würde, wieder laut Boswell, Gottes eigenen Handlungen gegen die Natur widersprechen, indem er Olivenzweige von wilden Olivenbäumen in einen guten Olivenbaum einpfropfte (Römer 11:24).[74] Dies beweist nach Boswell, dass etwas unnatürlich sein kann, ohne unmoralisch zu sein. Richard Hays wiederum argumentiert, dass „Paulus in dieser Passage deutlich ‚Natur’ mit der erschaffenen Ordnung gleichsetzt … Diejenigen, die sexuellen Praktiken para physis frönen, fordern den Schöpfer heraus und zeigen, dass sie sich ihm entfremdet haben.”[75]

Hays sagt, dass zu Paulus’ Zeiten „die Einstufung von homosexuellen Praktiken als para physin ein gängiges Kennzeichen von polemischen Angriffen war, besonders in der Welt des griechischen Judentums.”[76] Hays hat recht. Paulus und andere seiner Zeit hatten keine Vorstellung von einer homosexuellen Ausrichtung – dass ein Mensch von Natur aus homosexuell sein könnte. Plato sagt zum Beispiel auch, dass homosexuelle Handlungen para phusin sind. „Wenn ein Mann sich mit einer Frau zum Zwecke der Fortpflanzung vereint, dann ist die erfahrene Freude als natürlich anzusehen, sie ist aber unnatürlich, wenn ein Mann sich mit einem Mann zusammentut oder eine Frau mit einer Frau und diejenigen, die sich zuerst dieser Ungeheuerlichkeit schuldig gemacht haben, wurden durch ihre Gier dazu getrieben..”[77] Gregory Vlastos schreibt in seinem Buch Platon Studies, dass Plato mit dem Begriff para phusin etwas „weit Stärkeres” gemeint hat, als „gegen die Regeln” und er stellt fest, dass Plato Homosexualität mit Inzest vergleicht.[78] Vlastos, Dover und Price, alle drei bekannte Kenner der Schriften von Plato, „urteilen, dass para phusin, wie es von Plato in den Gesetzen verwandt wird, als das Herzstück einer sehr harten und uneingeschränkten Verurteilung von homosexuellem Verhalten zu verstehen ist.”[79]

Gleicherweise sprechen Josephus und Philo von homosexuellem Geschlechtsverkehr als para phusin.

Der Gedanke, dass bestimmtes Verhalten unmoralisch ist, weil es „gegen die Natur” ist (para physin), war zu Paulus’ Zeit sowohl in griechischen als auch griechisch-jüdischen Kreisen sehr bekannt. Es war auch eine bedeutende Auffassung in der Stoischen Philosophie, die ihre Wurzeln bei Plato hatte. Außerdem waren die Worte ‚para physin’ damals ein Standardausdruck.[80]

Hays stellt auch fest, das Daphnaeus in Plutarchs Dialog der Liebe die Homosexualität als „eine Vereinigung mit Männern gegen die Natur” (he para physin homilia pros arenas) verunglimpft und stellt ihr die Liebe zwischen Mann und Frau gegenüber.[81] Diese Verurteilung von homosexuellen Handlungen als para phusin „wurde mit besonderer Heftigkeit von griechisch-jüdischen Schreibern übernommen, die dazu neigten, einen Zusammenhang zwischen der philosophischen Anziehungskraft der „Natur” und den klaren Lehren des mosaischen Gesetzes zu sehen. ‚Das Gesetz erkennt keine sexuellen Beziehungen an,’ schreibt Josephus, ‚es sei denn die natürliche (kata physin) Vereinigung von Mann und Frau …’ Paulus’ Zeitgenosse Philo verwendet eine ähnliche Sprache.”[82]

Hays zieht den Schluss, dass für Paulus homosexuelles Verhalten „sozusagen ein Sakrament der Antireligion von Menschen war, die Gott nicht als ihren Schöpfer ehren wollten. Wenn Menschen homosexuelle Handlungen begehen, dann setzen sie ein äußerliches und sichtbares Zeichen ihrer inneren geistigen Haltung, nämlich die Ablehnung der Gestalt des Schöpfers.”[83]

Schlussfolgerung

Es steht schlichtweg außer Frage, dass die Bibel, angefangen mit der Schöpfung bis hin zum Neuen Testament, homosexuelles Verhalten verurteilt. Einzelnen Passagen mögen im Interesse einiger anders ausgelegt werden, aber man kann nur bis zu einem gewissen Punkt argumentieren, wenn man sich nicht die Grundlage entziehen will. Ich vermute, dass man genauso gut die biblische Verurteilung von Sodomie wegdiskutieren könnte, vielleicht sogar noch besser als Homosexualität. Am Schluss bleibt die Frage, ob die Bibel in der Neuzeit noch gültig ist. Und doch ist der ganze Zweck von Heiliger Schrift und Religion verbindliche Führung zu geben. Die Religionen, die keine verbindliche Führung in solchen Angelegenheiten bieten, sind wie der törichte Mann, der sein Haus auf den Sand baute. Irgendwann kommen die Fluten und sie werden hinweggewaschen werden.


Fußnoten

[1] Siehe William Eskridge, Equality Practice (New York: Routledge, 2001)
[2] Gilbert K. Chesterton nannte zum Beispiel Toleranz eine „negative Tugend” und machte darauf aufmerksam, dass eine Gesellschaft, die alles toleriert, nichts glaubt. (Charles Krauthammer, „Will It Be Coffee, Tea or He?” Time (15. Juni 1998).
[3] David E. Malick , “The Condemnation of Homosexuality in 1 Corinthians 6:9,“ Bibliotecha Sacra (Oktober-Dezember 1993), 479.
[4] George Will, Nuclear Fallout at the Anglican Communion, bei www.townhall.com (14. Oktober 2003).
[5] John Finnis, “Law, Morality and ‘Sexual Orientation,’” Notre Dame L. Rev. 1049 (1994), 69. Finnis schreibt: „Die Vereinigung der Fortpflanzungsorgane von Ehemann und Ehefrau vereint sie wirklich biologisch (und ihre biologische Einheit ist Teil ihrer persönlichen Einheit und nicht nur ein Mittel dazu). Die Fortpflanzung ist ein Zweck und im Hinblick darauf, sind die Ehepartner tatsächlich eine Einheit. Ihre sexuelle Vereinigung kann ihnen darum ermöglichen, einen gemeinsamen Nutzen zu erfahren … Aber der gemeinsame Nutzen von Freunden, die nicht verheiratet sind und nicht sein können (zum Beispiel Mann und Mann, Mann und Junge, Frau und Frau) hat nichts damit zu tun, dass sie voneinander Kinder haben können und ihre Fortpflanzungsorgane können sie nicht zu einer biologischen (und damit persönlichen) Einheit machen. Ihre sexuellen Handlungen können ihnen nicht das geben, was sie vielleicht erhoffen oder sich vorstellen. Denn die Erregung eines oder sogar beider Fortpflanzungsorgane kann ihnen nicht das Wohlbefinden geben, was ein ehelicher Geschlechtsverkehr bietet. Dies gilt sogar für Ehepartner, die unfruchtbar sind. Deren Geschlechtsverkehr kann jedem Partner nur eine persönliche Befriedigung bieten.”
[6] „Obwohl es keine Aussagen darüber gibt, dass Jesus über Homosexualität oder homosexuelles Verhalten gesprochen hätte, so zeigt doch seine Aussage über menschliche Sexualität, dass Männer und Frauen von Gott erschaffen wurden, um sich in einer gemeinsamen Beziehungen zu vereinen und wo sowohl Mann und Frau Erfüllung in einer (ständigen) sich gegenseitig ergänzenden Einheit finden.” (Marion L. Soards, „Scripture & Homosexuality,” Biblical Authority and the Church Today (1995), 28.)
[7] James L. Kugel, Traditions of the Bible: A Guide to the Bible the Was it Was At the Start of the Common Era (Cambridge, Massachusetts: Harward University Press, 1998) 28.)
[8] John Boswell, Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality (1980), 93-94. Donald Wold schreibt jedoch, dass „das Studium des Begriffes Ältester in den verschiedenen Sprachen des Nahen Ostens, einschließlich des Hebräischen, keinen Beweis für Baileys’ Gedanken liefert, dass Lot versäumte, den Brauch einzuhalten, vor der Aufnahme seiner Gäste die Ältesten der Stadt um Genehmigung zu bitten.” (Donals J. Wold, Out of Order: Homosexuality in the Bible and the Ancient Near East (Grand Rapids, Michigan: Baker Books, 1998), 82.) Diese Aussage wird auch davon unterstützt, dass nicht nur die Ältesten kamen, um Lots Gäste zu sehen, sondern alle Männer der Stadt, Jung und Alt (Genesis 19:4).
[9] Siehe z.B. Rabbi Don Rossoff, Union of American Hebrew Congregations, bei http://uahc.org/ask/homosexuality.shtml (aufgesucht am 15. Okober 2003) („Obwohl die Sünde von Sodom und Gomorra offensichtlich Homosexualität ist, weist in der jüdischen Tradition, einschliesslich der biblischen Propheten, nichts ausdrücklich darauf hin, sondern sieht die Sünden von Sodom und Gomorra in Grausamkeit und Ungastlichkeit gegen Fremde – nämlich xenophobia.”); Rick Fernandez, A Discussion Guide for Latter-day Saints in Understanding the Bible and Homosexuality bei http://www.affirmation. org/learning/bible_and_homosexuality.asp (aufgesucht am 15. Oktober 2003).
[10] Kugel, Traditions of the Bible, 334, Anmerkung 7. Kugel vergleicht die Ungastlichkeit von Sodom mit Abraham, der „für seine Gastfreundschaft, besonders Fremden gegenüber, von frühen Übersetzern gerühmt wurde.” Ebd. Siehe Genesis 18:1-8.
[11] Fernandez, A Discussion Guide for Latter-day Saints in Understanding the Bible and Homosexuality, Anmerkung 9, Zitat von Sherwin Bailey, Homosexuality and the Western Christian Tradition (London: Longmans Greens & Co., 1975), 181.
[12] Ebd. Zitat von Bailey Homosexuality and the Western Christian Tradition, 2,3, Anmerkung 11. Wold argumentiert, dass die Septuaginta wirklich die sexuelle Nebenbedeutung von yadah in Vers 5 unterstreicht. (Wold, Out of Order, 82, Anmerkung 8).
[13] Wold, Out of Order, 80.
[14] Fernandez, A Discussion Guide for Latter-day Day Saints in Understanding the Bible and Homosexuality, Anmerkung 9.
[15] Kugel, Traditions of the Bible, 336, Anmerkung 7, Zitat 1. Clemens 11:1.
[16] Arthur Frederick Ide, The City of Sodom & Homosexuality in Western Religious Thought to 630 CE (1985), 43.
[17] Ein Schreiber stellt fest: „Man braucht schon eine seltsame Denkungsart um zu meinen 1) dass der einfache Wunsch der Städter, sich bekannt zu machen, ein Bruch der Gastfreundschaft wäre, 2) dass man das als sehr böse ansehen könnte …, und 3) dass es so abscheulich sein könnte um, eine dramatische göttliche Strafe zu rechtfertigen.” (Greg L. Bahsen, Homosexuality: A Biblical View (Grand Rapids, Michigan: Baker Books, 1978, 33.)
[18] Im Targum Onqelos lautet Genesis 13:13: „Die Männer von Sodom waren boshaft in ihrem Wohlstand und sie sündigten mit ihren Körpern  außerordentlich vor dem Herrn.” Im Targum Neophyti lautet Genesis 13:13: „Und die Leute von Sodom waren böse zueinander und außerordentlich sündhaft vor dem Herrn, mit sexuellen Sünden und Blutvergießen und Götzendienst.” Kugel, Traditions of the Bible, 334, Anmerkung 7.
[19] Judas 1:7 beschreibt Sodom als die, die mit „Wesen anderer Art verkehren” (Die King James Version verwendet den Begriff going after strange flesh, Anm. d. Übers.) Dadurch lässt sich diese Passage nicht ausdrücklich mit Homosexualität gleichsetzen. Es ist aber sehr wohl möglich, dass Judas dies meinte. Ide argumentiert, dass das „fremde Fleisch” sich auf „übernatürliche oder nicht-menschliche Wesen” bezieht und dass fremdes Fleisch (hetera sarx) sich auf heterosexualen Geschlechtsverkehr bezieht. Damit bezieht sich „to go after strange flesh” auf heterosexuelle Vergewaltigung.
[20] Siehe Wold, Out of Order, 81, Anmerkung 8, wo Wold argumentiert, dass die Ungastlichkeits-Auslegung von yadah „weder sprachwissenschaftlich noch aus dem Zusammenhang unterstützt wird.”
[21] Siehe Genesis 4:1, 17, 25; 19:8; 24:16; 38:26; Numeri 31:17, 18, 35; Richter 11:39; 19:25; 21:11, 12; 1. Samuel 1:19;
Könige 1:4.
[22] Wold, Out of Order, 83, Anmerkung 8.
[23] Wold, Out of Order, 86, Anmerkung 8.
[24] Ebd.
[25] Ebd.
[26] Ebd.
[27] Kugel, Traditions of the Bible, 332, Anmerkung 8.
[28] Ebd., 333.
[29] Siehe Ide, The City of Sodom, 18. Ide schreibt, „Bestenfalls war es eine versuchte Vergewaltigung, was nur bewies, dass die Leute verderbt, entartet und wollüstig waren, mit gewalttätigen Absichten. Es beweist nicht, dass sie homosexuell waren.” Ide erklärt weiter, dass „unter den Menschen des Altertums analer Verkehr oder Sodomie Mittel waren, wie siegreiche Gegner ihre Überlegenheit über einen besiegten Feind unter Beweis stellten – wo sie ihn mit der grössten Verachtung behandelten … indem sie gefangene Männer  zwangen‚die Rolle der Frau zu übernehmen …”
(Ebd., 19). Ides Abhandlung sollte mit Vorsicht genossen werden, da es eindeutig eine politische Abhandlung ist. Er schreibt zum Beispiel, dass Ezechiels Verurteilung von Sodom so klingt „wie das Amerika unter Reagan … wo die Reichen reicher werden, die Armen ärmer und Hunger zunimmt, während soziale Programme gestrichen werden” (Ebd., 24).
[30] Die Joseph Smith Übersetzung stellt klar, dass „sie Böses taten” indem sie so handelten (JSÜ Genesis 19:39).
[31] Andererseits sind die Handlungen von Lots Töchtern vielleicht nicht so schrecklich, wie sie zunächst erscheinen. Philo schreibt, dass Lots Töchter „wegen ihrer Unkenntnis von äußeren Umständen und weil sie sahen, dass diese Städte mitsamt ihrer Bewohner verbrannt wurden, annahmen, dass die gesamte menschliche Rasse (gleichfalls vernichtet wurde), und dass nur sie drei überlebt hätten.” (Kugel, Traditions of the Bible, 339, Zitat von Philo, (Questions and Answers in Genesis 4:56) Josephus gibt die gleiche Erklärung, siehe Jewish Antiquities 1:205.
[32] Kugel, Traditions of the Bible, 333, Anmerkung 7.
[33] Ebd.
[34] Josephus, Jewish Antiquities 1:194,195.
[35] Ebd., 332, Zitat Jeremia 23:14 („Sie brechen die Ehe, gehen mit Lügen um und bestärken die Bösen, so dass keiner umkehrt – Für mich sind alle wie Sodom.”) Für Jeremia können die homosexuelle Praktiken Sodoms mit zu Ehebruch und Unzucht gehört haben.
[36] Ebd., Zitat Jubiläen 16:5,6, 20:5.
[37] Kugel, Traditions of the Bible, 334, Anmerkung 7, Zitat Philo, Abraham, 134,135.
[38] Midrasch gibt den sinnvollsten Bericht von Sodom, besonders wenn man die Joseph Smith Übersetzung betrachtet. Wenn die Passage im Midrasch stimmt, dann hätten die Männer Sodoms über Mittel verfügt, ihre Gepflogenheit gegen Lot, als Gastgeber von Fremden, durchzusetzen. Ich glaube, dass im Falle einer Weigerung des Gastgebers, wie bei Lot, der Hauseigner oder seine Familie mit der gleichen Behandlung bedroht werden würden. Denn die Männer Sodoms
bedrohen Lot „Nun wollen wir es mit dir noch schlimmer treiben als mit ihnen” und Lot, der weiß, was die Männer ihm tun wollen weil er sich weigert, bittet sie, auch seine Töchter in Ruhe zu lassen, indem er ihnen sagt, dass sie Jungfrauen sind. Die JSÜ gibt uns den aufschlussreichen Satz dass „dies nach der Schlechtigkeit Sodoms war”, wodurch die Tatsache widergespiegelt wird, dass dies ihre Gepflogenheit war. Lot bestätigt dies damit, dass er die Männer bittet „dieses eine Mal” sollten sie seine Besucher in Ruhe lassen. Das ist so, als wenn er gesagt hätte: „Ich weiß, was ihr wollt, aber dieses eine Mal setzt eure Gepflogenheit nicht durch.” Wenn es bekannt gewesen wäre, dass diese Gepflogenheit mit Gewalt durchgesetzt würde, indem man die Familie des Gastgebers bedrohte, dann würde dies auch die Reaktion des Gastgebers in Richter besser erklären, der den Männern vor seiner Tür sofort seine Tochter und seine Nebenfrau anbot. Betrachten Sie den vollständigen Text der JSÜ in diesem Licht: „Und sie sagten zu ihm (Lot): Tritt zurück! Und sie waren zornig auf ihn. Und sie sprachen untereinander: Dieser eine Mann kam daher, um bei uns zu verweilen, und er will sich nun zum Richter machen; nun wollen wir schlimmer an ihm handeln als an ihnen. Darum sprachen sie zu dem Mann: Wir wollen die Männer und auch deine Töchter haben; und wir werden mit ihnen tun, wie es uns gut scheint. Nun war dies nach der Schlechtigkeit Sodoms. Und Lot sprach: Seht nun, ich habe zwei Töchter, die keinen Mann erkannt haben; lasst mich, ich bitte euch, meinen Brüdern mit Bitten zusetzen, dass ich sie nicht zu euch herausbringe; und ihr sollt ihnen nicht antun, wie es in euren Augen gut scheint; denn Gott wird seinen Knecht in dieser Sache nicht rechtfertigen; darum lasst mich meinen Brüdern nur dieses eine Mal mit Bitten zusetzen, dass ihr diesen Männern nichts antut, auf dass sie Frieden in meinem Haus haben; denn dazu sind sie unter den Schatten meines Daches gekommen.”
[39] Wold, Out of Order, 105,106, Anmerkung 8.
[40] G.J. Wenham, „The Old Testament Attitude to Homosexuality,” The Expository Times, Vol 102 No.12 (September 1991): 362. Die Bibel verurteilt auch homosexuelle sakrale Prostitution in Deuteronomium 23:17, die offensichtlich durch die Kanaaniter nach Israel kam (1. Könige 15:12; 1. Könige 22:46). Interessanterweise bezeichnet Deuteronomium 23:19 einen männlichen Prostituierten als „Hund”, ein Bezug, der sich auch in mesopotamischen Texten findet und vielleicht ebenso in Offenbarung 22:15. Diese männlichen Prostituierten trugen Frauenkleider, was
vielleicht das entsprechende Verbot in Deuteronomium 22:5 erklärt.
[41] Boswell, Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality, 100, Anmerkung 8.
[42] Ebd. 101.
[43] Ide, The City of Sodom, 5, [44] Ebd.
[45] Ebd. N.H. Snaith argumentiert auch, dass „das Wort to’ebah mit götzendienerischen Handlungen zu tun hat, Handlungen, die während der Verehrung anderer Götter stattfanden … Hier wird Homosexualität wegen ihrer
Verbindung zum Götzendienst verurteilt.” Tom Horner, Jonathan Loved David: Homosexuality in Biblical Times (Louisville, Kentucky: Westminster John Knox Press, 1978), 73.
[46] Wenham, „The Old Testament Attitude to Homosexuality,” 362. Die Anhaltspunkte für die Einstellung der Ägypter und Kanaaniter sind verschieden zu deuten, aber nach Levitikus 18:3 können wir vermuten, dass homosexuelle Handlungen zumindest geduldet wurden, denn es wird den Israeliten gesagt, sie sollen nicht das tun, was man in Ägypten und Kanaan tut.
[47] Wenham, „The Old Testament Attitude to Homosexuality,” 362,363.
[48] Wold, Out of Order, 131.
[49] David Greenberg, The Construction of Homosexuality (Chicago: University of Chicago Press, 1988), 195-196.
[50] Wenham, „The Old Testament Attitude to Homosexuality,” 361.
[51] H.A. Hoffner, „Incest Sodomy and Bestiality in the Ancient Near East,” Orient and Occident: Essays in Honor of Cyrus H. Gordon (Germany: Neukirchen Verlag, 1973), 83.
[52] Wenham, „The Old Testament Attitude to Homosexuality,” 360 („Die alttestamentarische Ablehnung von allen Formen homosexueller Praktiken ist offensichtlich in der Alten Welt einzigartig.”) Siehe auch David F. Wright,
„Homosexuals or Prostitutes? The meaning of arsenokoitai,” Vigilae Christianae 38 (1984):125-153.
[53] Ide, The City of Sodom,69, Anmerkung 16.
[54] John Boswell, Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality: Gay People in Western Europe from the Beginning of the Christian Era to the Fourteenth Century (Chicago: University of Chicago Press, 1980). Boswell argumentiert, dass arsenokoitai mit „männlicher Prostituierter” übersetzt werden sollte.
[55] Robin Scroggs, The New Testament and Homosexuality: Contextual Background for a Contemporary Debate (Philadelphia, Pennsylvania: Fortress Press, 1983).
[56] Ralph Blair, An Evangecial Look at Homosexuality (1977), 6.
[57] Der Begriff Lustknabe kommt von dem Namen Ganymed der in der griechischen Mythologie von Zeus vergewaltigt wurde.
[58] Bruce W. Winter, „Roman Homosexual Activity and the Elite,” After Paul Left Corinth: The Influcence of Secular Ethics and Social Change (Grand Rapids, Michigan: Eerdmans, 201), 119-120.
[59] Bruce Winter stellt fest, dass die Petition von Argos berichtet, dass die Korinther der römischen „Sitte” folgten.
(Winter, „Roman Homosexuell Activity and the Elite”, 113.)
[60] L.P. Wilkinson, Classical Attitudes to Modern Issues: Population and Family Planning; Women’s Liberation; Nudism in Deed and Word; Homosexuality (London: Kimber, 1979),136-137.
[61] Craig A. Williams, Roman Homosexuality: Ideologies of Masculinity in Classic Antiquity (London: Oxford University Press, 1985), 225-226.
[62] James N. Adams, The Latin Sexual Vocabulary (Baltimore, Maryland: John Hopkins University Press, 1990), 228.
[63] Winter, „Roman Homosexual Activity and the Elite”, 116, Zitat von Adams, The Latin Sexual Vocabulary, 116.
[64] Winter, „Roman Homosexual Activity and the Elite”, 113-114, Anmerkung 55. „Ein Mann, der aktiv in jemanden eindringt, sei es in einen Mann oder eine Frau, ist immer noch ein Mann.” Der passive Partner wird in der römischen Kultur als unmännlich angesehen. [ M. W. Gleason, Making Men: Sophists and Self-Preservation in Ancient Rome (Princeton, New Jersey: Princeton University Press, 1995), 65.]
[65] Winter, „Roman Homosexual Activity and the Elite”, 113, Anmerkung 55.
[66] Ebd., 116.
[67] Ebd., 116-117
[68] Scroggs, The New Testament and Homosexuality, 65, Anmerkung 62.
[69] Siehe Malick, „The Condemnation of Homosexuality in 1 Corinthians 6:9”.
[70] Richard B. Hays, „Relations Natural and Unnatural: A Response to John Boswell’s Exegesis of Romans 1,” The Journal of Religious Ethics (Spring 1986):211.
[71]Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality, 109, Anmerkung 8.
[72][73][74]Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality, 111-112, Anmerkung 8.
[75][76][77][78][79]Greek Homosexuality (Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1978), 165-168; Vlastos, Platonic Studies, und Antohony W. Price, Love and Friendship in Plato and Aristotle (Oxford: Clarendon Press, 1989), 89-94.
[80] Steven Barr, Modern Physics and Ancient Faith (Notre Dame, Indiana: University of Notre Dame Press, 2003).
[81] Hays, „Relations Natural and Unnatural,” 211.
[82] Ebd.
[83] Richard B. Hays, The Moral Vision of the New Testament (Edinburgh: T&T Clark, 1997), 386.

Über den Autor:

Justin Starr arbeitet zur Zeit an seinem Abschluss in Rechtswissenschaften an der Brigham Young Universität in Provo, Utah. Er wird demnächst eine Stelle als Gerichtsschreiber an dem Bundes-Bezirksgericht von Utah in Salt Lake City antreten. Er ist auch Autor eines Artikels über Bundesstaatliche Aburteilungsrichtlinien und Glücksspiel, erschienen in BYU Law Review. Er ist verheiratet und Vater von drei Söhnen und dient zur Zeit als Ältestenkollegiums-Präsident in
seiner Gemeinde in Provo.

 

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Last Updated November 07, 2009
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