Vielehe und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Gregory L. Smith
FAIR Konferenz 2013
Darmstadt, Deutschland
15. 06. 2013

Einleitung

[Slide 01]
Es ist eine große Freude für mich, hier zu sein, um über die Vielehe zu sprechen. Ich werde beginnen, indem ich mich für zwei Dinge entschuldige:
[Slide 02]

  1. Ich wünschte, ich könnte auf Deutsch zu Ihnen sprechen. Vielen Dank für Ihre Geduld mit der Übersetzung, und ich bin dankbar für die Übersetzungshilfe.
  2. Ich wünschte, ich könnte Ihnen die Beweise vorstellen – die Zitat und Dokumente -, auf denen meine Behauptungen beruhen. Ich habe nur eine halbe Stunde (die andere halbe Stunde ist für die Übersetzung reserviert), und das ist einfach nicht Zeit genug. Vielehe ist ein gewaltiges Thema, und so werde ich ein paar Dinge herausgreifen, ohne die Beweise darzulegen. Ich kann Sie später darauf verweisen, aber das meiste existiert nur auf Englisch.[Slide 03]

Warum ist die Vielehe so schwer zu verstehen?[1]

  1. Sie liegt mehr als 100 Jahre zurück, und so erfahren wir nicht viel darüber.
  2. Diejenigen, die daran beteiligt waren, benötigten Offenbarung, um ihrer Seele Ruhe zu verschaffen – wir müssen das Gleiche tun.
  3. Es ist ein komplexes Gebiet der Geschichte.
  4. Es ist leicht für die Kritiker der Kirche, nur „einen Teil der Geschichte” zu verwenden, und unseren Ängsten und der Vorstellungskraft den Rest zu überlassen.
  5. Einige Mitglieder geben Erklärungen, die nicht korrekt sind.
  6. [Slide 04]

  7. Die Kombination aus Sex und Religion ist üblicherweise gefährlich – es ist leicht, sich zu fragen, ob vielleicht etwas anderes als wahre Religion und wahre Offenbarung Joseph Smith oder seine Anhänger motiviert hat.
  8. Für einige klingt es vielleicht nach Unterdrückung der Frauen, oder weckt Erinnerungen an Misshandlung durch Männer innerhalb oder außerhalb der Kirche.

Meine Familiengeschichte

[Slide 05]
Ich komme aus Kanada. Meine ersten Vorfahren, die sich der Kirche anschlossen, sind in England von Wilford Woodruff während seiner Mission zur Benbow Farm getauft worden. Familienmitglieder wanderten in die USA aus, gingen nach Nauvoo und überquerten die Große Ebene. Einige von ihnen lebten in Vielehe. Ein Familienmitglied war Isaiah Moses Coombs, mein Ur-ur-urgroßvater. Er schrieb dies an seine Kinder:

Es war im Januar 1860, dass meine Frau [Fanny] und ich ernsthaft begannen, darüber zu reden, das celestiale Gesetz in Bezug auf die Vielehe zu befolgen. Sie war nicht nur willig, sondern bestrebt, dass ich andere Frauen nehmen sollte, trotz unserer Armut … ich verzeichne diese Tatsache, sodass unsere Kinder wissen können, wie früh in ihrem Leben ihre edle und selbstaufopfernde Mutter als einen ihrer Glaubensartikel diese Ordnung der Vielehe annahm, die von der Welt so verachtet wird.[2]

Nehmen Sie zur Kenntnis, dass es nicht nur Isaiah Moses’ Entscheidung war – seine Frau ermutigte ihn dazu. Das war nicht in allen Fällen so, aber es sollte so sein. Im Juli 1875 heiratete er Charlotte Augusta Hardy. Er schrieb: [Slide 06]

Dies geschah mit der vollen und freien Zustimmung meiner ersten Frau, Fanny … Am Tag nach Augustas Ankunft führte Fanny sie durch das Haus und zeigte ihr alles, was wir durch langes Wirtschaften und Arbeit ansammeln konnten, um unser Heim bequem zu machen und sagte ihr: „All dies gehört der Familie. Du bist jetzt eine von uns, so nimm und verwende und erfreu dich an allem, was du siehst, genau wie wir anderen auch. Alles hier, mit Ausnahme dessen, was in meinem privaten Schlafzimmer ist, gehört dir genau so wie mir. Ich möchte sehen, dass du dich zu Hause fühlst.” Diese Rede kam aus dem Herzen meiner unvergleichlichen Frau. Sie meinte jedes Wort davon, und ihre Handlungen danach bewiesen ihre Ernsthaftigkeit. Augusta wurde von Fanny und ihren Kindern als geehrter Gast behandelt.”[3]

Diese Familie war ziemlich arm. Später wollten zwei der Kinder von seiner ersten Frau, die ein wenig Geld verdient hatten, ihren jüngeren Brüdern etwas Kleidung kaufen. Seine erste Frau sagte: [Slide 07]

Nein … kommt nicht in Frage, dass meine Kinder etwas kaufen, das Pa sich nicht leisten kann, für Augustas Kinder zu kaufen. Alle müssen gleich angezogen sein, allen muss es gleich gehen. Ich lasse nicht zu, dass die Gefühle von Augustas kleinen Kindern verletzt werden, wenn sie sehen, dass meine Kinder besser gekleidet sind als sie.[4]

Ich fühle mich demütig, wenn ich diese Art von Christus ähnlichem Leben sehe. Nicht alle Vielehen erfüllten dieses Ideal, aber viele taten es. Für diejenigen, die willig waren, Christus zu folgen, bot die Vielehe eine Schule in Einigkeit, Demut und Nachfolge. Generationen später profitieren meine Familie und ich noch immer von dem, was damals gelernt wurde.

Ein wichtiges Prinzip, das man verstehen muss, ist, dass Joseph oftmals die Ehe so verwendete wie wir die Siegelung – es war eine Methode, um Familien zu einer großen Familie zusammenzubinden.

Ich werde jetzt ein paar Fragen aufwerfen und kurz beantworten

  1. Hat Joseph Smith die Vielehe gelehrt und ausgeübt?[5] [Slide 08]
    Ja, hat er. Er war mit ungefähr 30 Frauen in seinem Leben verheiratet. Er hatte das Prinzip zwischen 200 und 300 Menschen gelehrt, bis er starb.
  2. Hat Joseph Smith Frauen gezwungen, ihn zu heiraten?[6] [Slide 09]
    Nein. Oftmals nahm Joseph mit einem männlichen Verwandten Kontakt auf, um die Vielehe zu erörtern. Den Frauen war es freigestellt abzulehnen, und einige taten das auch. Sie blieben in der Kirche und wanderten mit den Heiligen nach Utah aus.
  3. Hat Joseph Smith Frauen geheiratet, die bereits verheiratet waren?[7] [Slide 10]
    Ja. Neun Frauen, die an bereits verheiratet waren, wurden an Joseph gesiegelt. Es gibt keinen guten Anhaltspunkt dafür, dass diese Ehen auch vollzogen wurden – wahrscheinlich dienten sie dazu, glaubenstreue Mitglieder an Joseph zu siegeln.[8] Wir wissen, dass zumindest einige der Männer davon wussten und ihre Zustimmung gaben, und keine Ehefrau und kein Ehemann beschwerten sich jemals. Im Allgemeinen waren das Familien, denen Joseph sehr nahe stand.[9]

    Wir haben keinen Bericht darüber, dass Emma über diese Ehen aufgebracht gewesen wäre. Als ein späterer Gerichtsfall zu beweisen versuchte, dass Joseph die Vielehe lehrte und lebte, wurde keine von diesen Frauen als Zeuge aufgerufen, obwohl sie verfügbar waren — das lässt vermuten, dass sich in keiner physischen Verbindung zu Joseph waren, und so war ihr Zeugnis nicht hilfreich.

    Joseph und die frühen Heiligen waren darum besorgt, alle Mitglieder zu einer Großfamilie zu siegeln.
    Mitglieder hatten sich üblicherweise an so viele Familienmitglieder siegeln lassen, wie sie konnten, und wurden dann durch „Adoption” an einen prominenten Kirchenführer gesiegelt.

    Präsident Wilford Woodruff stellte diese Vorgehensweise ein und unterstützte statt dessen die Mitglieder, sich an ihre eigenen Vorfahren siegeln zu lassen, und zwar so weit wie möglich, und riet von der Vorstellung ab, dass sie sich an einen Propheten siegeln sollten. Diese ersten Siegelungen an verheiratete Frauen war wahrscheinlich das Gleiche — Joseph waren wahrscheinlich keine detaillierten Anweisungen darüber gegeben, wie die Siegelungen abgewickelt werden sollten, er und die Heiligen haben es wahrscheinlich „in ihrem Verstand durchgearbeit” und es in ihrem Verständnis reifen lassen.

    Paradoxerweise bereiteten Emma und Joseph diese Siegelungen wenig Probleme, und sie waren wirklich leichter zu bewältigen als die späteren Ehen an ledige Frauen in voller Blüte, wenn diese Vielehen auch vollzogen wurden. Es gab Zeiten, als Emma die Vielehe unterstützte, doch das dauerte nie lange. Wie sollten mit ihr geduldig sein — sie hatte die härteste Herausforderung von allen, da sie akzeptieren musste, dass die Vielehe nicht angetrieben war von der Lust ihres Mannes. Kein anderes Mitglied stand dieser Frage gegenüber. Eine von Josephs Frauen sagte Jahre später:

    Nach all den vielen Jahren kann ich wirklich sagen: arme Emma. Sie konnte die Vielehe nicht ertragen, doch sie war eine gute Frau, und ich wünsche niemals, Ich wollte ihrem Glück und ihrer Erhöhung niemals im Wege stehen. Ich hoffe, der Herr werde gnädig mit ihr sein, uns ich glaube, er wird es… Wahrscheinlich hat sie nichts schlimmeres getan als einer von uns es an ihrer Stelle getan hätte. Lasst den Herrn darüber richten.f[10]

    Im August 1992 erschien im Ensign ein ausgezeichneter Artikel über Emma. Ich persönlich glaube nicht, dass sie für immer für ihre Fehler und Schwierigkeiten mit der Vielehe verdammt ist Sie hätte es besser machen können, doch an wen von uns ist es, über sie zu richten?

  4. Wie alt waren Joseph Smiths Frauen?[11] [Slide 11]
    Joseph hatte Frauen im Alter von 14 bis 50 Jahren. Bei den jüngsten Frauen gibt es wiederum keinen Hinweis darauf, dass die Ehen auch vollzogen wurden – wiederum dienten sie dazu, Familien aneinander zu siegeln.[12]
    Im amerikanischen Grenzgebiet heirateten Frauen früher, als es heute üblich ist. Craig Foster, David Keller und ich haben einen Artikel geschrieben und veröffentlicht, der ein statistisches Modell zum Vergleich des Eheeintrittsalters in Illinois zwischen Mormonen und Nichtmormonen mit dem Alter von Joseph Smiths Frauen vergleicht.[13] Joseph ist nicht statistisch untypisch von anderen in seiner zeitlichen und örtlichen Umgebung. [SLIDE 12] Seine Vielehe war anders, nicht das Alter der Frauen![14]
  5. Hatte Joseph Smith von irgendeiner seiner polygamen Frauen Kinder?[15][Slide 13]
    Es gibt keine nachweislichen Nachkommen von Joseph aus einer Vielehe. Durch DNS-Analysen konnte das für die meisten Kinder ausgeschlossen werden (die meisten sind von Ugo Perego durchgeführt worden), und viele der anderen sind historisch unmöglich oder unwahrscheinlich.[16] Übrig bleiben ein glaubhaftes und zwei mögliche Kinder. Die Schriften erwähnen, dass die Vielehe manchmal notwendig ist, umd „Samen zu erwecken” (Jakob 2:30)— doch bedeutet das nicht notwendigerweise, „mehr Kinder zu haben.” Es konnte sein, dass diese Kinder aus Vielehen nicht zahlreicher waren, doch die sie ausübten, waren mehr der Kirche geweiht. Familien, die in Vielehe lebten, haben viele Kirchenführer hervorgebracht hinab bis in die Gegenwart.
  6. War Joseph in seinen frühen Jahren promiskuitiv?[17] [Slide 14]
    Jahrzehnte nach Joseph Smiths Tod als die Polygamie gut bekannt war, begannen Kritiker, ihn unmoralischen Verhaltens als Jugendlicher zu beschuldigen. keine dieser Anschuldigungen wurde zu einer Zeit gemacht, als sie den Kritikern am meisten genutzt hätte. Keine davon kann der genauen historischen Überprüfung standhalten. Es gibt keine guten Anhaltspunkte dafür, dass Joseph ein „Frauenheld” gewesen wäre.[18]
  7. Gehorchten Frauen und Männer einfach Joseph, weil er der Prophet war?[19] [Slide 15]
    Eindeutig nein. Männer und Frauen berichteten beide davon, dass sie von der Vielehe beunruhigt waren, und neigten dazu, sie zu verwerfen. Sie berichten dann von vielen wundersamen Visionen und Erlebnissen, die ihnen bestätigten, dass die Vielehe ein Gebot Gottes war.
  8. War die Vielehe illegal?[20] [Slide 16]
    Möglicherweise war die Vielehe in Illinois illegal, und definitiv für illegal erklärt wurde sie von der US Regierung im Jahr 1962. Mitglieder der Kirche brachen das Gesetz, weil sie glaubten – wie viele Amerikaner davor und danach auch – dass sie eine höhere Pflicht hatten, dem Gebot Gottes und ihrem Gewissen Folge zu leisten anstatt dem weltlichen Gesetz.
  9. War es notwendig, die Vielehe zu praktizieren, um errettet zu sein?[21] [Slide 17]
    Brigham Young machte im 19. Jahrhundert deutlich, dass die Heiligen glauben mussten, dass die Vielehe von Gott kam, aber es war nicht notwendig, sie zu auszuüben. Er und Wilford Woodruff machten deutlich, dass man mit einer Frau, mit mehreren Frauen oder sogar unverheiratet, wenn man keine Gelegenheit gehabt hatte, errettet sein konnte.
  10. Müssen wir in Vielehe leben, oder werden wir das je müssen?[22] [Slide 18]
    Nein. Was notwendig ist, das ist zu tun, was die frühen Heiligen taten – dem Wort Gottes zu gehorchen, das durch einen neuzeitlichen Propheten gegeben wurde. Joseph Smith lehrte:

    Die Regierung des Himmels hält sich an dieses Prinzip: Offenbarung, die den Umständen angepasst ist, worin sich die Kinder des Reiches befinden. Alles, was Gott fordert, ist recht, ganz gleich, was es ist, auch wenn wir den Grund dafür erst erfahren, lange nachdem es geschehen ist.[23]

  11. Wie viele Heilige lebten in Vielehe?[24] [Slide 20]
    Das ist schwierig zu beantworten, aber ungefähr 15–20% der Mitglieder waren in polygamen Beziehungen (ungefähr 5% der Männer waren beteiligt). Es war also nicht die Mehrheit, aber die Vielehe hatte einen großen Einfluss auf die mormonische Kultur des 19. Jahrhunderts.
  12. Wie viele Frauen hatten die Männer in Utah?[25] [Slide 21]
    Die meisten Männer hatten zwei Frauen, einige wenige drei und es war selten, mehr als das zu haben. [Slide 22] und [Slide 23]
  13. War die Scheidung für Vielehen erlaubt?
    Frauen konnten sich auf Anfrage scheiden lassen, Männern wurde die Scheidung nicht leicht gewährt.[26] Utah hatte das liberalste Scheidungsrecht in den USA.[27] Etwa 1% der Einehen wurden durch Scheidung beendet, ungefähr 9% der Vielehen. Viele Frauen, die sich scheiden ließen, gingen später wieder eine Vielehe ein.[28]
  14. Warum wurde die Vielehe eingesetzt?[29] [Slide 24]
    Wir wissen die Antwort auf diese Frage nicht. Joseph sagte anderen immer wieder, dass Gott ihm gesagt habe, dass die Kirche ohne Vielehe keinen Fortschritt machen konnte. Einige Dinge, wie sie verwendet wurden:, waren:

    1. [Slide 25] Es grenzte die Mormonen von der amerikanischen Bevölkerung ab. Damit eine neue Religion florieren und etabliert werden kann, braucht sie „moderate Spannung” mit ihrer umgebenden Gesellschaft. Es ist nicht gut, wenn die Spannung zu groß ist und die Gesellschaft versucht, die neuen Mitglieder umzubringen (wie es in Missouri und Illinois geschehen ist). Aber wenn man der Gesellschaft zu ähnlich ist, dann hält die Religion nicht zusammen. Die Vielehe machte Mormonen anders, aber nicht so anders, dass man sie zerstören musste.
    2. [Slide 26] Kinder, die in diese Familien geboren wurden, konnten engagierte Mitglieder beobachten, die – wie ich am Beispiel meiner Familie gezeigt habe – ihre Religion unter großen Opfern lebten.
    3. [Slide 27] Frauen, die würdig sind, einen Tempelschein zu haben, waren in Utah immer zahlreicher, als würdige Männer. Polygamie erlaubte ihnen, würdige Männer zu heiraten und Kinder zu haben, anstatt Nichtmitglieder oder weniger glaubenstreue Männer zu heiraten.
    4. [Slide 28] Es war leichter, sich um Witwen und Waisen zu kümmern.
    5. [Slide 29] Einwanderinnen, die sich der Kirche angeschlossen hatten, wurden leichter verheiratet und passten sich schneller an, als das sonst der Fall gewesen wäre.
    6. [Slide 30] Frauen war es in solchen Haushalten besser möglich, Bildung zu erhalten und einer Karriere nachzugehen. (Das Fehlen von arbeitserleichternden Geräten bedeutete, dass einen Haushalt zu führen eine Vollzeitbeschäftigung war.)

Schluss

[Slide 31]
Zuletzt jedoch bedeutete es eine abrahamische Prüfung.[30] Die Mitglieder der Kirche mussten zeigen, ob sie wirklich glaubten, dass Gott mit den Propheten sprach, und sie mussten selbst echte Offenbarung erhalten. Und ich meine, dass das für Sie und mich genau so ist – wenn wir mit etwas konfrontiert werden, das uns stört oder zutiefst verletzt, ist Studium der Geschichte nur der erste Schritt. Am Ende brauchen wir Offenbarung. Es ist die einzige Antwort. Ich möchte mit einer Geschichte meines Ur-ur-ur-Großvaters schließen, aus der Zeit als er die Ebene überquerte.

An einem heißen Nachmittag saß ich im Zelt … und litt an einer schweren Cholera Attacke. Mein Leiden war entsetzlich. Als ich so dasaß, kam Elder Daniel Spencer zum Eingang des Zeltes und führte ein Pferd am Zügel. „Hier, Bruder Coombs”, sagte er. „Ich möchte, dass Sie dieses Pferd besteigen und einen zwölf-Meilen-Ritt zum Little Grasshopper machen, wo Bruder Seicrists Abteilung heute das Lager aufschlagen wird, um etwas Geld für Bruder Snow auszuborgen.”

Ich antwortete, dass ich das unmöglich könnte – dass ich von Schmerzen geplagt sei und erwartete, diese Nacht zu sterben. „O nein,” antwortete Bruder Spencer. „Sie werden nicht sterben – sie werden einen angenehmen Ritt über die Prärie haben, und ich verheiße Ihnen im Namen des Herrn, dass Sie sich viel besser fühlen werden, wenn sie zurückkommen, und dass Sie nicht mehr krank sein werden, bis sie nach Hause kommen.”

Mit dieser Verheißung erlaubte ich ihm, mir in den Sattel zu helfen, und nachdem ich meine Anweisungen erhalten hatte, setzte ich langsam meinen Weg langsam fort und ritt müde durch das Lager, bis ich die Prärie erreichte. Dort ließ ich meinem Pferd die Zügel schießen, und gerade als die Sonne am westlichen Horizont sank, begann ich einen scharfen Galopp zum fernen Grasshopper. Die ersten Sprünge meines Reittiers verursachten mir große Schmerzen, aber ich hing am Sattelknauf fest, entschlossen, dass der Ritt mich entweder heilen oder töten solle. Es dauerte nicht lang, bis aller Schmerz mich verließ. Dadurch kam ein wilder, wagemutiger Geist über mich, und ich gab meinem Pferd die Sporen und schoss mit halsbrecherischer Geschwindigkeit voran und jubelte und brüllte währenddessen. Aber ich fuhr nicht lang auf diese Weise fort. [SLIDE 32] Als ich eine Baumgruppe erreichte, stieg ich ab und dankte Gott auf meinen Knien für diese Kundgebung seiner liebevollen Güte mir gegenüber. Ich versprach, wenn er mir den lauen Dienst, den ich ihm bis dahin entgegengebracht hatte, verzeihen würde, dann würde ich ihm in Zukunft mein ganzes Herz geben. Ich stand auf in dem Gefühl, auf heiligem Boden zu stehen. Ich saß wieder auf und setzte meine Reise fort.

Vielleicht ist das Thema der Vielehe für Sie wie ein Anfall fürchterlicher Cholera. Vielleicht planen sie zu sterben – oder sind geistig gestorben. Vielleicht ist es für sie das Letzte, was sie tun wollen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es sieht für Sie vielleicht so schwer aus, wie eine zwanzig Kilometer lange Reise, wenn sie verzweifelt krank sind.
Ich bezeuge Ihnen, wenn Sie ein paar Schritte im Glauben voran gehen, wenn Sie das Pferd trotz Ihrer Qualen und Ängste und den Gedanken, wie unfair es erscheint, besteigen, werden Sie Wunder in Ihrem Leben sehen. Offenbarung und Friede von Gott werden kommen, und Sie werden mit Freude und Dankbarkeit erfüllt werden. Die Vielehe – oder was immer sie bedrückt – kann Ihr heiliger Boden werden.

Meine lieben Brüder und Schwestern, Sie sind für Ihre Nachkommen „Isaia Moses Coombs”. Generationen in der Zukunft werden Ihren Namen segnen, weil Sie in schwierigen Umständen – in Armut, Verfolgung, Schmerz oder Zweifel – Ihren Bündnissen treu geblieben sind. Sie sind, wie mein Großvater und meine Großmutter Coombs, wahre Jünger wegen den Offenbarungen. Vielleicht denken Sie, dass die ersten Bodenwellen Sie umbringen. Aber das wird nicht passieren. Bevor Sie es wissen, galoppieren Sie mit Höchstgeschwindigkeit zum Salzseetal und heim.


Fußnoten

[1] Die vollständigste Quelle über die Vielehe ist das vor kurzem veröffentlichte Buch
„Joseph Smith’s Polygamy” von Brian C. Hales, in 3 Bänden (Greg Kofford Books, 2012). ISBN 9781589585485 ISBN 9781589581906 ISBN 9781589581890. Online: Mormonism and Polygamy und Joseph Smith und Polygamie.
[2] Isaiah Moses Coombs, „Isaiah M. Coombs from his Diary and Journal,” 387; Auswahl aus Our Pioneer Heritage, heruasgegeben und zusammengestellt von Kate B. Carter, 20 Bände (Salt Lake City: International Society, Daughters of Utah Pioneers), 1958-1977. Originaldokumente sind in Coombs, Isaiah Moses, Tagebuch, in der Sammlung von 1835-1938, HLT Kirchenarchiv, Salt Lake City, Utah.
[3] Coombs, 388
[4] Coombs, 400
[5] http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith_und_Polygamie
[6] http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith_und_Polygamie/Gab_es_Frauen,_die_Joseph_abgelehnt_haben?
http://de.fairmormon.org/Geistige_Kundgebungen_an_Ehefrauen_und_Familien_in_Mehrfachehen http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith_und_Polygamie/Frauen_in_einen_Raum_eingesperrt
[7] http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith/Polygamie/Polyandrie
[8] Hales 1:303–474. Siehe auch
http://en.fairmormon.org/Polygamy_book/Polyandry, http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith/Polygamie/Kinder_aus_polygamen_Ehen
[9] http://de.fairmormon.org/Das_Gesetz_der_Adoption
[10] Emily Partridge, Tagebuch, 1883.
[11] http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith:_Eheschließung_mit_jungen_Frauen
[12] Die ersten Heiligen siegelten manchmal Bruder und Schwester zusammen, nicht als eine Ehe, sondern als eine Art Familiensiegelung. http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith_und_Polygamie/Brüder_und_Schwestern_aneinandersiegeln
[13] Craig L. Foster, David Keller und Gregory L. Smith, „The Age Joseph Smith’s Plural Wives in Social and Demographic Context,”[Das Alter der Frauen von Joseph Smith in gesellschaftlichem und demographischem Zusammenhang] Newell G. Bringhurst und Craig L. Foster Hrsg., The Persistence of Polygamy: Joseph Smith and the Origins of Mormon Polygamy [ Die Fortdauer von Polygamie: Joseph Smith und die Ursprünge mromonischer Polygamie](Independence, John Whitmer Books press 2010), 152–183.
[14] Siehe online: http://en.fairmormon.org/Polygamy_book/Age_of_wives. Keller gibt uns auch einen Einblick in statistische Analysen online: http://www.fairblog.org/2010/12/18/timely-statistics-vindicate-the-prophet/. und http://www.fairblog.org/2010/02/01/19c-nuptiality-and-propaganda-ii/.
[15] http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith/Polygamie/Kinder_aus_polygamen_Ehen.
[16] http://en.fairmormon.org/Polygamy_book/Children_of_polygamous_marriages.
[17] http://de.fairmormon.org/Frauenheld_seit_frühester_Jugend. Siehe auch mein Vortrag hier http://www.fairlds.org/fairconferences/
2009-fair-conference/2009-everything-you-always-wanted-to-know-about-plural-marriage-but-were-afraid-to-ask
.
[18] http://de.fairmormon.org/Polygamie_wegen_sexueller_Gier? und
http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith_und_Polygamie/Jugendliches_Ringen_mit_Unkeuschheit.
[19] http://de.fairmormon.org/Geistige_Kundgebungen_an_Ehefrauen_und_Familien_in_Mehrfachehen
[20] http://de.fairmormon.org/Joseph_Smith_und_Polygamie/illegal und http://www.fairlds.org/authors/smith-gregory/polygamy-prophets-and-prevarication#head02.
[21] http://de.fairmormon.org/Ehe_notwendig_für_die_Erhöhung und http://en.fairmormon.org/Mormonism_and_polygamy/Brigham_Young_said_that_the_only_men_who_become_gods_are_those_that_practice_polygamy.
[22] http://en.fairmormon.org/Mormonism_and_polygamy/Deseret_News_7_Nov_1855_-_Polygamy_never_go_away
[23] Lehren des Propheten Joseph Smith, 256.
[24] http://en.fairmormon.org/Mormonism_and_polygamy/Prevalence_of_in_Utah.
[25] http://en.fairmormon.org/Mormonism_and_polygamy/Prevalence_of_in_Utah.
[26] Eugene E. Campbell and Bruce L. Campbell, „Divorce among Mormon Polygamists: Extent and Explanations,” [Scheidung unter mormonischen Polygamisten: Ausmaß und Erklärungen] Utah Historical Quarterly 46/1 (Winter 1978): 5; Die Zitatschachtel enthält neun Ordner, nummeriert von 1 bis 917 plus mehrere register, Archives Division, Historical Department, Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, Salt Lake City.
[27] Sarah Song, Justice, gender, and the politics of multiculturalism [Gerechtigkeit, Geschlecht und die Politik des Multikulturalismus (Cambridge University Press, 2007), 150–152
[28] Kahlile Mehr, „Women’s Response to Plural Marriage,”[Antwort einer Frau auf Mehrfachehe] Dialogue: A Journal of Mormon Thought 18/3 (Fall 1985): 95. Einige Studien haben diese Zahl an einigen Orten zu einigen Zeiten höher angesetzt: „Eine Studie fand, dass in der Mormonengemeinschaft des 19. Jahrhunderts in Manti ein Drittel der aller polygamen Ehemänner Frauen durch Scheidung verloren. Fraglos schuf die Mehrfachheit mehr Scheidungen als mormonische Monogamie und stellte dabei die ihr zugeschriebene Überlegenheit in Frage. Bis zu einem gewissen Grad war das mormonische eheliche Versagen nur ganz allgemein ein Spiegel des Lebens im amerikanischen Westen, wo, nach einem AUtor, im 19. Jahrhundert häufiger zerbrochene Familien vorkamen als sonst wo in der Welt.” – B. Carmon Hardy, Works of Abraham, [Werke Abrahams] 178–179, Zitate ausgelassen.
[29] http://de.fairmormon.org/Gründe_für_Polygamie
[30] http://de.fairmormon.org/Polygamie/Die_Werke_Abrahams.

 

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